Julia Korbik – How to Be a Girl

How to Be a Girl von Julia Korbik ist ein Rat­ge­ber für Mädchen ab drei­zehn Jah­ren. Über eine Ad­vents­ak­tion des Thie­ne­mann-Ess­lin­ger Ver­lags ge­wann ich eine Aus­gabe des Bu­ches und habe mich sehr da­rü­ber ge­freut. Das Buch ist optisch ein ab­solu­tes Schmuck­stück und die The­ma­tik finde ich inte­ressant und wich­tig. Rela­tiv schnell wur­de mir je­doch klar, dass How to Be a Girl nicht das Buch ist, das ich er­war­tet hatte … Ich habe das Buch im Dezem­ber ge­le­sen und di­rekt die Fo­tos ge­macht. Ver­zeiht mir daher bitte die doch recht weih­nacht­li­chen Bilder.

Klappentext

Hast du dich schon mal ge­wun­dert, warum es Re­geln gibt, die schein­bar nur für Mädchen gel­ten? Willst du ger­ne mehr über Body­sha­ming, Self­care und Gleich­be­rech­tigung er­fah­ren? Findest du Mädchen und Frauen, die ihr eige­nes Ding durch­ziehen, spannend? Dann bist du hier genau richtig! Mit Kurz­por­träts von his­tori­schen und aktu­ellen Vor­bil­dern, Check­lis­ten und An­lei­tungen (Wie er­kenne ich all­tägli­chen Sexis­mus? Wie kann ich dem Kon­sum-Wahn­sinn ent­kommen?) und Ein­bli­cke in die Welt der Jungen.

how to be a girl

Meinung

Ich möchte diese Buch­be­spre­chung etwas anders auf­bauen, da es sich um einen Rat­ge­ber handelt. Es wird einen Ab­schnitt ge­ben über die Dinge, die mir ge­fallen und einen über die, die mir weni­ger gut ge­fallen haben. Es handelt sich da­bei wie immer um meine ganz per­sön­li­che Meinung.

Was mir gefallen hat

Das Buch ist in fünf ver­schie­dene Ab­schnitte ge­teilt, die sich mit je­weils unter­schied­lichen Themen aus­einander­setzen. Das hat mir ge­fallen, da How to Be a Girl da­durch sämt­liche Punkte an­reißt, mit denen sich junge Frauen auf die ein oder ande­re Weise irgend­wann einmal aus­einander­setzen müssen.

Was mir außerdem gut ge­fallen hat, sind die Por­träts von starken Frauen, die an sich glauben, sich feste Ziele setzen und stark für ihre Rechte ein­treten. Mal um­fassen diese Porträts ganz­seitige Fließ­texte, ein anderes Mal sind es Steck­briefe, die das Wichtigste zu­sammen­fassen, oder es handelt sich um in­spi­rieren­de Listings, wie bei­spiels­weise fiktio­nale Cha­raktere.

Viele der angespro­chenen Themen werden sehr an­schau­lich präsen­tiert. So zeigt Julia Korbik deut­lich, dass die in den Medien vor­geführ­ten Körper und Frauen nicht der Rea­lität ent­spre­chen und dass es nicht nur dieses eine Ideal von Schön­heit gibt. Ich glaube, dieses Thema ist über­aus wichtig und die Autorin findet die rich­tigen Worte dafür.

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Was mir nicht gefallen hat

Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin in diesem Buch ein un­miss­verständ­li­ches Welt­bild präsen­tiert: Jungs werden in unserer immer Ge­sell­schaft be­vor­zugt, Mädchen immer be­nach­tei­ligt. Generell stimme ich dieser Aus­sage nicht zu und auch die Argu­menta­tion der Auto­rin konnte mich nicht um­stimmen. Ihre Be­gründun­gen fallen mehr als ste­reoty­pisch aus und ent­halten Aussagen, wie dass Mädchen im 21. Jahr­hundert nur als Mädchen in der Ge­sell­schaft aner­kannt werden, wenn sie High Heels tragen, lange Haare haben und sich schminken.

Ich denke, dass How to Be a Girl für viele junge Mädchen sehr inte­ressant und wichtig sein kann. Ich denke jedoch auch, dass sie nicht alles für bare Münze nehmen sollten, was in diesem Buch steht. Und das ist wohl auch mein größ­tes Problem mit diesem Werk. In meinen Augen möchte Julia Korbik mit diesem Werk nicht auf­klä­ren. Sie möchte Mädchen auch nicht dazu an­regen, sich eine eige­ne Mei­nung zu bilden, sondern sie dazu be­wegen, ihre Mei­nung anzunehmen. How to Be a Girl liegt ein sehr be­lehren­der Ton inne, der mir per­sönlich über­haupt nicht ge­fallen hat. Viele stereo­typi­sche Bei­spiele, die laut Autorin jedes Mädchen ein­mal er­lebt hat, kann ich nicht be­stä­tigen. Ich weiß nicht, ob das an meiner Erziehung, Schul­bildung und an meinem Um­feld liegt, aber ich konnte bei zahl­rei­chen Er­läute­rungen nur mit dem Kopf schütteln und habe mich in eine andere Zeit ver­setzt ge­fühlt.

julia korbik how to be a girl

Aussagen wie »Mädchen müssen immer hübsch aus­sehen« oder »Mädchen dürfen sich nicht auf eine be­stimmte Art auf einen Stuhl setzen« habe ich nie ge­sagt be­kommen, weil ich ein Mädchen bin. Als ich mir mit An­fang Zwanzig die Haare ab­ge­schnitten habe, gab es in meinem ge­sam­ten Umfeld eben­falls keine einzi­ge kri­tische Stimme, die ge­sagt hat, ich sei nun aber ganz schön un­weib­lich. Laut Julia Korbik ist das aber falsch. Sie sagt, dass es für jeden in unse­rer Ge­sell­schaft ein Pro­blem ist. Ich finde es schwie­rig, wenn man eine Meinung so strikt ver­tritt und sie jedes einzelne Indi­vidu­um auf­erlegt.

Ein Buch mit einer wundervollen Gestaltung und Aufmachung. Dem Inhalt stehe ich zwiegespalten gegenüber. Viele der angesprochenen Punkte finde ich sehr wichtig, jedoch ließ mich das Gefühl nicht los, dass die Autorin belehrend ihre Meinung aufzwingen möchte. Dabei wirkte vieles erzwungen und überzogen.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Julia Korbik – How to Be a Girl  – Gabriel Verlag in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH – 2018 – 160 Seiten – 14,99 €

Bewertung

»How to Be a Girl« spricht wichtige Punkte an, ist dabei jedoch oberflächlich, belehrend und bedient sich zahlreicher Stereotypen, denen ich persönlich nicht immer zustimmen kann.

— Janika
2 comments
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Comments

  • Zeilentänzerin

    Januar 6, 2019 at 11:18
    Antworten

    Schade, dass dich das Buch nicht so sehr ansprechen konnte. Ich hatte es erst gestern im Buchladen in der Hand, fand es aber auch wenig ansprechend. Hab einen schönen Sonntag!

    • Janika
      to Zeilentänzerin

      Januar 6, 2019 at 11:36
      Antworten

      Ja, ich finde es auch schade. Es hatte schöne Aspekte, vieles hat mir aber auch nicht gefallen. Es ist halt ein Mittelding und ich glaube, es hätte mir vor einigen Jahren (und vor allem in jüngeren Jahren) etwas besser gefallen. Naja, es gibt ja auch noch andere schöne Bücher :) […] Read MoreJa, ich finde es auch schade. Es hatte schöne Aspekte, vieles hat mir aber auch nicht gefallen. Es ist halt ein Mittelding und ich glaube, es hätte mir vor einigen Jahren (und vor allem in jüngeren Jahren) etwas besser gefallen. Naja, es gibt ja auch noch andere schöne Bücher :) Alles Liebe und dir auch einen schönen Sonntag, Janika Read Less

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