O du fröhliche

Morgen ist es nun so weit. Heiligabend. Weihnachten. In den letzten vier Wochen wurde viel Tamtam gemacht für die bevorstehenden drei Tage. Es ist eine Zeit, auf die man sich jedes Jahr freut. Ich zumindest. Oder sagt mir das mein Kopf nur, weil ich das zu denken habe? Wenn ich die letzten Wochen Revue passiere, denke ich an eine überfüllte Innenstadt, in der so gut wie jeder gestresst wirkt, keine Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt und sich mit ausgefahrenen Ellenbogen einen Weg durch die Menschenmasse zu bahnen versucht.

Ich denke an das Herumstehen auf dem Weihnachtsmarkt: Ich friere, meine Hände sind klebrig, weil der Glühweinbecher entweder nie richtig gesäubert oder aber der Glühwein direkt verschüttet wurde. Außerdem bin ich auf der Suche nach einem guten Gesprächsthema, damit das Herumstehen in der Kälte zumindest einen Sinn hat. Denn weihnachtliche Stimmung kommt bei mir so nicht auf. Nächstenliebe auch nicht. Sehr besinnlich ist das hier. Weihnachten steht vor der Tür.

Ich weiß auch nicht, was es war, aber dieses Jahr kam bei mir persönlich nie so richtig irgendeine Art von Weihnachtsgefühl auf. Dabei habe ich den ein oder anderen Weihnachtsfilm geguckt, Weihnachtsmusik gehört, meine Adventskalender täglich geöffnet, leckere selbstgebackene Kekse genascht und es hat sogar geschneit. Ich weiß wirklich nicht, was los ist, denn eigentlich freue ich mich jedes Jahr wie verrückt auf diese besondere Zeit im Dezember.

Dann gab es einen Lichtblick: Für mich ist Weihnachten ganz stark mit dem Duft nach Tannenbäumen verbunden. Und als mein Liebster und ich uns dieses Jahr unseren Baum in die Wohnung gestellt haben, begann für mich (zumindest ein bisschen) die Weihnachtszeit. Dieser Duft definiert Weihnachten für mich. Der Baum ist auch schön anzusehen, ich gucke ihn gerne an und er verbreitet ein schönes Licht in unserem Wohnzimmer. Versetzt hat er mich aber trotzdem nicht in Weihnachtsstimmung.

Bei meinen Eltern auf der Couch liegen und lesen — Darauf freue ich mich sehr. Der 1. Weihnachtstag ist bei uns in der Familie eher ruhiger, da sich die gesamte Familie meistens erst am 2. Weihnachtstag trifft. So kann jeder praktischerweise dem nachgehen, was er am liebsten machen möchte. Manche verabreden sich, schlafen aus, kochen, … ich suche eine bequeme Sitz- und Liegegelegenheit mit einem Buch auf. Das Angenehme daran ist, dass man den stressigen Alltag mal wirklich hinter sich lassen kann. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind eine vollkommene Auszeit von allem, was einen stört. Früher war es Lernstress für die Schule, später dann das Gleiche für die Universität. Jetzt muss ich nach meinem Feierabend zwar nichts mehr tun, was ich nicht möchte, aber sind wir mal ehrlich: Ein Tag ohne Arbeit und ohne das Wissen, dass man am nächsten Montag wieder los zur Arbeit muss und das Wochenende viel zu kurz war, ist so etwas Feines.

Also was macht Weihnachten für mich aus? Die schönen Dekorationen im Hause und der Stadt anscheinend nicht. Generell der ganze Klimbim der Vorweihnachtszeit nicht. Die Erwartungshaltungen steigen, und selbst wenn man alles schön hergerichtet hat, Geschenke besorgt und Kekse gebacken hat, ist dies doch alles irgendwo mit Stress und Druck verbunden. Nichts da mit Pause, Besinnlichkeit und Nächstenliebe. Die gibt’s erst an Heiligabend und ist so schnell verschwunden wie der Verwandtschaft angereist ist. Für mich ist Weihnachten also eine Auszeit an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag mit dem Duft von Tannenbäumen? Sollte da nicht mehr sein? Das sind gerade meine Gedanken und auch mein Fazit dieses Textes.

Ich hatte anfangs beim Schreiben dieses Texten den Gedanken die Fröhlichkeit von Weihnachten festzuhalten. Wieso das nun so ein Text geworden ist, weiß ich auch nicht wirklich. Ich bin jedenfalls in Schleswig Holstein bei meiner Familie und froh, hier zu sein. Auch ohne extreme Weihnachtsstimmung, die dann hoffentlich morgen kommt. Ich bin dankbar für meine Familie, für meine Freunde und die gemeinsame Zeit.

Euch allen wünsche ich ein frohes Fest (eigentlich bin ich echt Weihnachtsfan. Nächstes Jahr zeig ich es euch auch).

Janika Zeilenwanderer Signatur

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