Writing Friday:
Tarzan ist uncool

Langsam aber sicher konnte ich den Dschun­gel einfach nicht mehr sehen. Ich irrte nun schon mehre­re Tage durch diesen Ur­wald und ich war nerv­lich sowie kör­per­lich am Ende. Alles sah gleich aus und die Hitze brach­te mich um. Wenn ich nach links guckte: Busch. Wenn ich nach rechts guckte: Busch. Selbst wenn ich nach oben guckte: nichts als Busch. Argh. Ich hasste den Busch. Und die Ge­räusch­ku­lisse erst. Ich schlief eh so gut wie gar nicht, weil ich Angst hatte, dass mich etwas auf­essen würde, aber wenn ich mich doch dazu ent­schloss, ließ mich die Kako­pho­nie auch kein Auge zu­machen. Ich hoffte, ich würde dem Ur­wald bald ent­kommen.

Nach einigen Stunden quer durch das Ge­strüpp ohne auf­regen­de Vor­komm­nisse, fiel ein Stock auf meinen Kopf. Bitte nicht schon wieder die Pa­viane! Vor denen bin ich doch erst weg­gelau­fen! Als ich nach oben blickte, sah ich aber nichts. Ein wei­terer klei­ner Ast traf mich. Dieses Mal von der Seite. Wieder sah ich nichts und drehte mich weg. Ich wollte gerade wei­ter­gehen, als ich mich er­neut um­dreh­te und aus der Dunkel­heit von zwei weißen Augen an­ge­starrt wurde. Oh. Mein. Gott. Das sah aber stark nach einem mensch­li­chen Augen­paar aus?
»Hallo?«, rief ich den gru­seligen Augen vor­sich­tig ent­gegen.
»Nein«, schallte es zurück.
»Wie nein? Wer sind Sie? Ich heiße Jane. Können Sie mir sagen, wo ich hier den Aus­gang finde?«
»Nein. Hau ab. Das ist mein Busch.«
»Nichts lieber als das. Aber wo geht’s denn hier aus dem Dschun­gel heraus?«
»Nein.« Ein weiterer Ast wurde auf mich ge­worfen.
»Na jetzt hören Sie aber mal? Sie können … Aua!«, ich schrie auf, als mich dieses Mal so­gar ein Stein am Bein traf.
»Nein. Jetzt geh endlich, du wi­der­wär­ti­ger Ein­dring­ling oder ich hole meine Go­rilla­freun­de.«
»Das würde ich ja gerne, aber ich weiß nicht wohin!« Ich war mitt­ler­weile wirk­lich ge­nervt. Da läuft man tage­lang durch den Dschun­gel, trifft tat­säch­lich auf einen Menschen, der sogar die glei­che Spra­che spricht und dann sowas. »Das hat ja keinen Sinn mehr …«, murmelte ich mehr zu mir selbst und stie­felte los.
»Ganz recht so, du stin­ken­des Ding. Lass dich hier nicht mehr blicken!« Das war jawohl eine Frech­heit. Wie kann man sich nur so un­höf­lich be­neh­men? Ein weiterer Stock traf mich am Kopf und ich dreh­te mich um. Nun stand das Augen­paar auf­recht vor mir und unter all dem Dreck er­kann­te ich einen Men­schen. Eine menschen­ähn­liche Ge­stalt trifft es wohl aber besser. Auch wenn er gute drei Meter ent­fernt von mir war, konnte ich seinen stren­gen Ge­ruch deut­lich riechen und ich fing laut an zu würgen. Alles an diesem Wesen war ab­scheu­lich: die ver­filz­ten Haare, der Dreck, der über­all an ihm zu haften schien, die stumpfen, ein­ge­risse­nen Fin­ger­nä­gel und dazu noch eine Be­haa­rung, die einem Affen glich. Ich war scho­ckiert. Noch nie hatte ich so ein un­ge­pfleg­tes Wesen ge­sehen. Lief ihm gerade Sabber aus dem Mund? Waren das Fäka­lien an seinen Bei­nen? Ich starrte ihn mit offe­nem Mund an. Der Schock war mir wohl an­zu­sehen, denn mit einem lauten »Puh!« warf er das letzte Mal einen Stock auf mich und ich lief schrei­end weiter in den Busch …


Der Writing Friday ist ein Projekt, das von der lieben Read Books and Fall in Love ins Leben gerufen wurde. Dabei gibt es für jeden Freitag im Monat ein Thema, zu dem man etwas schreiben darf. Wahr, ausgedacht, lang, kurz, Gedicht oder nicht — das kann sich jeder selbst überlegen; Hauptsache man schreibt. Bei so einem Projekt schließe ich mich gerne an und schaue, was dabei herauskommt. Bitte erwartet hier aber keine hohe Form von Literatur.

Dieser Text ist zu dem Thema Du irrst nun schon seit mehreren Tagen durch den Dschungel, als du plötzlich … (Platz für eigene Idee) … siehst entstanden.

Janika Zeilenwanderer Signatur

2 comments
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Eine Woche voller Trubel

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Comments

  • Katharina

    September 14, 2018 at 17:01
    Antworten

    Hey Janika, das hätte Disney mal verfilmen sollen! Ich musste herzhaft lassen. Sehr schön geschrieben und sehr unterhaltsam. Grüße, Katharina von kathakritzelt.wordpress.com

    • Janika
      to Katharina

      September 17, 2018 at 12:13
      Antworten

      Liebe Katharina, vielen Dank. Das freut mich sehr! So soll es sein :) Alles Liebe, Janika

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