Karolyn Ciseau – Zeitenwanderer
Chroniken I: Gefangen

Heute teile ich meine Leseeindrücke zu Gefangen mit Dir. Auf dieses Buch wurde ich durch eine Instagram Challenge der Autorin Karolyn Ciseau aufmerksam. Dieser Roman ist der Auftakt einer sieben­teiligen Reihe und ich habe ihn binnen kürzester Zeit durch­gelesen. Wenn Du wissen möchtest, wie mir Gefangen gefallen hat, lies doch weiter!

Kurzbeschreibung

Im Jahr 2062 sind Zeitreisen etwas All­tägliches. Auch Alison verschlägt es für die Recherche ihres Geschichtsstudiums immer wieder in vergangene Zeiten. An einem Tag gelangt sie so ins mittelalterliche Irland, wo sie dem mysteriösen Gregor begegnet. Gre­gor kann sie berühren, sie sehen und mit ihr reden, was alles andere als normal ist, denn durch die Zeitreisen kann Alison zwar alles in der Vergangenheit erleben, sie selbst bleibt aber inkognito. Dass Gregor sie wahr­nimmt, kann nichts Gutes heißen. Und da ist es passiert: Alison steckt in der Zeit fest und wird von Gregor mit einer vernichtenden Prophe­zeiung konfrontiert.

Meinung

Nachdem ich bisher durchweg positive Eindrücke von Gefangen gesammelt hatte, ging ich mit hohen Erwartungen an diese Lektüre. Abgeschlossen habe ich Karolyn Ciseaus Debüt jedoch mit gemischten Ge­fühlen und nicht erfüllten Erwartungen.

Schreibstil

Was mir besonders gut an der Lektüre gefallen hat, ist der Schreibstil. Dieser ist meist flüssig und leicht zu lesen. Dass ich die 249 Seiten innerhalb weniger Tage durch­gelesen hatte, bestätigt dies. Karolyn Ciseau schreibt umgangssprachlich und verfasst die Sätze hin und wieder leicht poetisch. Aller­dings waren die Sätze mitunter auch sehr lang: Durch Kommata wurden viele Sätze aneinandergereiht, welche auf­gebro­chen etwas ange­nehmer zu lesen ge­wesen wären. Alles in allem sagt mir der Schreibstil jedoch zu.

Idee

Die Zeitenwanderer Chroniken bestehen aus sieben Bänden, von denen jeder einzelne in einem anderen Land und einer anderen Zeit spielt. Diese Idee finde ich grandios, da sie so viel Potenzial hat. Jedes Buch hat ein komplett neues Setting, neue Figuren und kann Leser facettenreich durch sämt­liche Länder der Welt führen. Leider wurde dieses Potenzial, meiner Meinung nach, in Gefangen nicht vollends aus­ge­schöpft. Klar, dass dieser Roman in Irland spielt, ist nicht essenziell, aber ich hätte es schön gefunden, wenn man das Setting allgemein etwas detaillierter schil­dert. Irland wurde meistens als hügelig bezeichnet, in grau-blau-grünen Farben be­schrieben und hin und wieder hat es geregnet. Das war für mich zu allgemein, aber ich kann mir vorstellen, dass viele Leser die spärlichen Be­schrei­bungen des Settings weniger stören. Dies ist nur eine besondere Vorliebe meiner­seits, weil ich mir in Büchern alles gerne sehr bildhaft vor­stelle.

Figuren & Beziehungen

Alison ist eine liebevolle Protago­nistin, die sich im mittelalterlichen Irland etwas schwer tut. Sie ist freundlich und hilfsbereit, aber auch ziemlich naiv und schwer von Begriff. Ihre größten Sorgen im Mittelalter sind fehlender Kaffee und eine heiße Dusche, und ihr Handeln ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Vielleicht finden ihre Denk­schwierig­keiten aber auch im fehlenden Kaffee ihren Ursprung. Gregor sperrt sie beispiels­weise für eine knappe Woche in seinem Haus ein und ver­schwindet über alle Berge. Als er wieder auftaucht, ist für sie alles in Ordnung. Kein Problem. Ich wäre ver­mut­lich dezent wü­tend auf Gregor.

Oder aber als sie nach etwa 150 Seiten Lektüre erneut beschließt, vor Gregor zur fliehen (auch wenn sie sich zu ihm hin­gezo­gen fühlt?). Gregor schläft und bekommt von ihrem Flucht­versuch nichts mit. Neben Alison steht zudem ein ge­sattel­tes Pferd. Die Aus­gangs­situation scheint also nahezu per­fekt. Doch statt das Pferd zu nehmen, auf dem sie Gregor schnell einholen kann, entschließt sie sich zu laufen. So handelt doch niemand?

Generell ist das Handeln sämtlicher Figuren in diesem Roman zu hinterfragen. In einer Text­passage fährt Alison beispiels­weise mit einem Lord in einer Kutsche. Wohlgemerkt werden sie kutschiert. Sie machen einen Zwischen­stop, bei dem der Lord Alison vor den Au­gen des Kutschers bei­nahe ver­gewal­tigt. Das ist in Ordnung, immerhin ist der Kutscher loyal gegen­über seinem Lord. Aber der Kutscher ist immer noch teil­nahms­los als der Lord von Gregor an­ge­griffen wird. Gregor kriegt ein Messer ab, der Lord wird umgebracht, Alison liegt beinahe ver­ge­waltigt auf der Wiese und was macht der Kutscher? Sitzt er wirklich nur auf seiner Kutsche und guckt zu? Er ergreift weder für die Gegner noch für seinen Herren Partei? Fazit ist: Er wird berichten, denn Gregor und Alison stellen fest, dass der Kutscher im Schloss erzählen wird, was passiert ist und dann gibt es Probleme. Dies ist ein Beispiel für eine für mich voll­kommen unvorstellbare Szene. Mittel­alter hin oder her. So ein Be­neh­men ent­spricht nicht der Realität.

Die Handlung zwischen den vermeint­lichen Haupt­figuren fand ich eben­falls etwas schwie­rig und konnte sie nicht nach­voll­ziehen. Die gemeinsame Zeit der beiden fällt in diesem Band der Reihe eher spärlich aus und lässt sich als zwiegespalten zusammen­fassen. Mal fühlt sich Alison zu Gregor hin­gezogen, kurz danach hat sie Angst vor ihm, dann reden sie normal miteinander und be­trachten sich einigen Passagen später als Fremde. Für mich sind sie auch ledig­lich Fremde füreinander, viel­leicht auch Freunde, ich weiß es nicht.

Jedenfalls findet nicht häufig ein Dialog zwischen den beiden statt und – Achtung, Spoiler – dass Gregor sie zum Schluss verträumt an­schmachtet und sie sich tatsächlich küs­sen, war für mich doch etwas un­begreif­lich. Ich meine, woher kommen diese Gefühle? Sie versucht nach zwei Dritteln des Buches immer noch vor ihm zu fliehen, er ist die meiste Zeit des Romans sowieso nicht präsent wo genau er sich herumtreibt, ist mir nicht klar – und trotzdem lieben sie sich? Gregor bleibt für mich ein vollkommen schleierhafter Charakter. Viel­leicht bin ich mittler­weile zu alt für diese Art Roman, aber die Figuren und ihr Handeln können mich nicht über­zeugen.

Auch die „geheimnisvolle Prophezeiung“, von der im Klappen­text die Rede ist, ist kein wirkliches Thema des Romans. Natürlich, diese Reihe umfasst sieben Teile, aber was genau der Sinn und Zweck dieses Romans ist, und welche Rolle er für die nach­folgenden Bände spielt, bleibt fraglich. Ich schätze, er ist als Einleitung für die eigentliche Hand­lung zu betrachten, da die letzten dreißig Seiten des Romans doch spannend wurden und die Pro­phe­zeiung zumindest bedingt Thema war. 

Satz & Layout

Aspekte, die mich beim Lesen stark gestört haben, waren der Satz und das Lay­out. Hier merkt man, dass kein professioneller Verlag sich an diesem Buch bedient hat. Die Lauf­weite ist in einer Zeile so groß, dass zwischen den einzelnen Wörtern beinahe ein gesamter Zenti­meter Freiraum ist – in der nächsten Zeile quetschen sich die Wörter ziemlich aneinander. Mir ist aufgefallen, dass man bei Gefangen gerne auf Sil­ben­trennungen ver­zichtet hat, wes­we­gen sich diese opti­schen Man­kos oft wieder­fin­den lassen.

Außerdem ist die Zeilenanzahl pro Seite häufig unter­schiedlich und hier verstehe ich absolut nicht wieso. Weshalb hat man auf der linken Lese­seite zwei Zeilen eingespart, obwohl der Satz nicht beendet war und auch kein Absatzende in Sicht ist? Mich per­sön­lichen stö­ren sol­che Dinge ge­waltig beim Lesen, weil ich weiß, dass man sie einfach umgehen kann. Eine Blogger­in, mit der ich über dieses Problem redete, sagte mir, dass sie das E-Book zu Gefangen gelesen habe und diese Pro­­bleme dort nicht hatte. Von daher würde ich jedem das E-Book ans Herz legen und nicht die Ta­schen­­­buch­­­fassung, wenn einen die unten dar­gestell­ten Druck­­­ver­si­onen eben­falls stö­ren sollten.

Eine leicht zu lesende Abenteuer Lektüre mit viel Potenzial, aber auch viel Luft nach oben. Ich schätze, Gefangen ist als Einleitung für die eigentliche Handlung der Folgebände zu betrachten.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Zeitenwanderer Chroniken I: Gefangen von Karolyn Ciseau – Amazon – 2017 – 249 Seiten – € 9,99 [D]

Bewertung

Eine Geschichte mit viel Potenzial, was eventuell in den folgenden Bänden sichtbar wird. Mich persönlich konnte die Geschichte nicht überzeugen, weshalb ich die Reihe nicht weiterlesen werde.

— Janika
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Comments

  • […] Karolyn Ciseau – Zeitenwanderer Chroniken I: Gefangen Februar 19, 2018 […]

  • lisappages

    Februar 19, 2018 at 17:29
    Antworten

    Hallo Janika, Das hört sich wirklich noch ausbau fähig an. Ich habe das Buch schon öfter bei Instagram gesehen, aber so richtig überzeugt hat es mich nicht, und das obwohl es in Irland spielt^^ Kennst du das Buch "Die Herren der grünen Insel" von Kiera Brennan? Darin geht es um die […] Read MoreHallo Janika, Das hört sich wirklich noch ausbau fähig an. Ich habe das Buch schon öfter bei Instagram gesehen, aber so richtig überzeugt hat es mich nicht, und das obwohl es in Irland spielt^^ Kennst du das Buch "Die Herren der grünen Insel" von Kiera Brennan? Darin geht es um die Geschichte Irlands. Es hat mich ein bisschen an Game of Thrones erinnert, aber ich finde es richtig gut! Es hat zwar fast 1000 Seiten, aber ich habe mich dabei nicht gelangweilt! :) Vielleicht wäre das was für dich. Liebe Grüße Lisa Read Less

    • Janika
      to lisappages

      Februar 19, 2018 at 17:36
      Antworten

      Liebe Lisa, ja, ich finde es auch sehr schade, dass diese Rezension doch eher negativ ausgefallen ist und das Buch nicht meinen Geschmack treffen konnte. Ich hab's mir wirklich so sehr gewünscht. "Die Herren der grünen Insel" habe ich bereits auf meiner Wunschliste, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, […] Read MoreLiebe Lisa, ja, ich finde es auch sehr schade, dass diese Rezension doch eher negativ ausgefallen ist und das Buch nicht meinen Geschmack treffen konnte. Ich hab's mir wirklich so sehr gewünscht. "Die Herren der grünen Insel" habe ich bereits auf meiner Wunschliste, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, es zu kaufen. Hast du da schon zufällig eine Rezension auf deinem Blog? Das klingt ja echt gut! Liebe Grüße, Janika Read Less

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