Laura Kneidl – Someone New

Someone New ist un­glaub­lich wichtig – das ist der Satz, der be­reits Wochen vor dem Er­schei­nungs­ter­min von je­dem ge­sagt wurde, der das Buch vor­ab lesen durf­te. Lauras Bücher be­glei­ten mich seit Jahren – seit 2014 ge­nau­er ge­sagt – und ich mag ihre Ro­ma­ne sehr. Zu hören, dass auch ihr neu­estes Werk vie­len ge­fällt, stimmte mich na­tür­lich freu­dig. Nun habe ich es ge­le­sen und kann schon vo­rab so viel sa­gen: Ja, das Buch ist wich­tig. Doch die Wich­tig­keit allei­ne macht Someone New nicht zu einem gu­ten Buch. Für mich hat das Ge­samt­pa­ket leider nicht gestimmt.

Kurzbeschreibung

Micah sorgt auf einer abend­li­chen Festi­vi­tät ihrer El­tern da­für, dass Julian, einer der Kellner, sei­nen Job ver­liert. Zwei Mo­nate spä­ter zieht sie bei ihren El­tern aus und stellt fest, dass kein geringe­rer als Julian ihr neuer Nach­bar ist. Julian be­geg­net ihr sehr ver­hal­ten und gibt ihr klar zu ver­ste­hen, dass er kei­ne Lust auf eine Freund­schaft hat. Dennoch kommen sie sich nä­her und Micah be­merkt, dass sie nicht die ein­zi­ge Per­son ist, die von Julian auf Ab­stand ge­hal­ten wird. Er hat ein Ge­heim­nis und sie möchte es un­be­dingt he­raus­finden …

Und manche Geheimnisse wachsen durch diese Angst, bis sie zu Monstern in unserem Schrank werden. Bis wir uns irgendwann nicht mehr trauen, ihn zu öffnen. Nicht einmal in Anwesenheit einer Person, der wir unser Leben anvertrauen würden.

— S. 373

Meinung

Ich weiß ehrlich ge­sagt gar nicht, wie ich mit dieser Re­zen­sion an­fan­gen soll. Ich möchte etwas Posi­ti­ves schrei­ben, aber es gibt so vieles, das mir nicht posi­tiv in Erinne­rung ge­blie­ben ist. Vielleicht fasse ich mich ein­mal kurz. Someone New macht süch­tig, ist fan­tas­tisch ver­fasst und be­han­delt wichti­ge The­men, die de­fini­tiv öfter be­spro­chen werden dürfen – das steht voll­kommen außer Fra­ge. Gleich­zei­tig habe ich große Schwie­rig­kei­ten mit einigen Cha­rak­te­ren, die Hand­lung empfin­de ich als lang­at­mig und alles in allem wirkt Someone New auf mich mit­un­ter zu ge­wollt. Bauen wir die Buch­be­spre­chung mal an­hand die­ser Punkte auf.

someone new laura kneidl

Someone New und seine Sogwirkung

Laura Kneidl ver­steht es ein­fach mit Wor­ten um­zu­gehen. Sie schreibt für jedes Genre an­ge­passt und man merkt bei Someone New ein­deu­tig, dass es sich um einen New Adult Roman han­delt. Die Ge­schich­te liest sich flott, ist nicht un­be­dingt an­spruchs­voll ver­fasst, und die Seiten flie­gen nur so da­hin. Das Lesen von Lauras Sätzen macht un­glaub­lich viel Spaß und der Ein­stieg in die Lek­tü­re fällt mehr als leicht. Laura Kneidl nimmt sich die Zeit den Hin­ter­grund von je­der Per­son aus­führ­lich zu er­läu­tern, so­dass man nach sieb­zig bis acht­zig Sei­ten von je­dem Cha­rak­ter weiß, was in etwa seine Ge­schich­te ist. Aller­dings be­ginnt hier meine Kritik …

Es ist näm­lich so, dass sich viele Dinge be­ginnen zu wie­derho­len und Someone New da­durch ziem­lich lang­at­mig wird. Micah be­sucht ihre El­tern, sie geht zur Uni, sie trifft sich mit Freun­dinnen und be­geg­net Julian. Diese Sze­na­rien wer­den zwar immer wieder durch unter­schied­li­che Dia­lo­ge auf­ge­peppt, aber dennoch kann ich das Ge­fühl nicht ab­le­gen, dass ein­fach nichts passiert und sich die Hand­lung im Kreis dreht. Als auf­merk­samer Le­ser hat man zu die­sem Zeit­punkt be­griffen, dass Micah ziem­lich auf Graphic Novels steht, und sie und ihre Freunde ge­nerell ganz schöne Profis im Be­reich »nerdi­ge Pop­kultur« sind. Das soll nun auch nicht hei­ßen, dass es schlecht ist, wenn man in Bü­chern An­spie­lun­gen auf Pop­kultur macht. Ganz im Ge­gen­teil bin ich so­gar ein Fan davon und mag es, wenn man hin und wieder Ver­glei­che zu Serien, Fil­men oder Mu­sik zieht. Die Be­to­nung liegt hier je­doch auf »hin und wieder«.

Anspielungen auf Popkultur

Ich finde dieses Stil­mittel an­spre­chend, da Leser sich vielleicht in der ein oder ande­ren Fi­gur wie­der­er­kennen und somit eine stär­kere Bin­dung zu einem Cha­rak­ter auf­bau­en können. Man fühlt sich auf eine be­sonde­re Art mit der Fi­gur ver­bun­den. Schwie­rig wird es für mich, wenn diese An­spie­lun­gen zu oft ge­macht wer­den, was in Someone New de­fini­tiv der Fall ist. Ich bin ein rie­siger Game of Thrones Fan und habe so­gar meine Bache­lor Ar­beit über die Buch­rei­he ge­schrie­ben, ich bin auch ein gro­ßer Fan von Stranger Things – aber meine Herren, ich konnte mein Au­gen­rollen bei den stän­digen »Eleven«-Aus­ru­fen und »Winter is coming« irgend­wann nicht mehr unter­drücken.

Mein größtes Problem war da­bei je­doch nicht die Menge – das ging mir ein­fach nur auf den Keks –, son­dern dass ich den zahl­rei­chen Ver­glei­chen mit­unter nicht fol­gen konnte. Ich würde schon be­haup­ten, dass ich viele Se­rien und Filme ge­guckt habe und bei vie­lem mit­re­den kann. Bei Comics bin ich je­doch raus und ich mag auch keine Comic-Ver­fil­mun­gen mehr – mir per­sön­lich ist es in den letz­ten Jah­ren schlicht­weg zu viel ge­wor­den. Dem­ent­spre­chend fiel es mir wäh­rend der Lek­türe wirk­lich schwer, wenn ein Cha­rak­ter mit einer Comic­figur ver­gli­chen wurde. Für mich waren die­se Ver­glei­che oft abso­lut schwammig. Ich konnte nichts da­mit an­fan­gen und so be­gann für mich ein Rate­spiel, was diese und jene An­spie­lung wohl be­deu­ten könnte. Ich will mir nicht vor­stellen, wie sich Leser füh­len, die kein Net­flix haben oder sich mit den Fan­doms nicht aus­kennen.

someone new

Das kunterbunte Spektrum an Figuren

Was sich wie die ständi­gen Er­wähnun­gen von Serien und Comic­fi­guren durch das ge­sam­te Buch zieht, ist die auf mich ge­zwun­gen wirken­de Di­versi­tät. Durch die di­ver­sen Figu­ren sticht Someone New wirk­lich hervor. Wenn ich mich richtig erinne­re, stellt aus­nahms­los jeder Cha­rak­ter eine Min­der­heit dar: Eine Figur ist homo­sexu­ell, eine ist eine Teenie-Mum, eine ande­re wie­derum Vege­tarie­rin – es gibt Persons of Colour, eine mus­li­misch sozi­ali­sier­te Fi­gur und noch jede Menge mehr. Dieses Buch ist wirk­lich bunt.

Für mich reicht die Dar­stellung je­doch nicht aus, und ob­wohl jede Figur – sei es Haupt- oder Neben­figur – eine be­acht­liche Seiten­an­zahl ge­wid­met be­kommen hat, blei­ben sämt­li­che Cha­rak­tere für mich ober­fläch­lich. Es hat auf mich den An­schein, als wür­den ins­beson­dere die Neben­figu­ren ledig­lich an­hand ihrer »diver­sen Cha­rak­ter­eigen­schaft« de­fi­niert wer­den. An­sonsten bleibt für mei­nen Ge­schmack nicht viel übrig und gene­rell wirkt die Di­ver­sität auf mich zu ge­wollt, zu ver­krampft. Ich finde die Dar­stellung lei­der auch etwas miss­lun­gen, da die Cha­rak­ter­eigen­schaf­ten doch eigent­lich die Werte sind, die im Fokus ste­hen sollten – nicht die dar­ge­stellte Min­der­heit, wenn man so will. Es gibt so viele gute Bücher, die eben­falls mit di­ver­sen Cha­rak­teren punk­ten, und bei denen man ver­gisst, was für einen Hinter­grund sie haben, weil es schlicht­weg nor­mal ist und nicht ne­ga­tiv ver­ur­teilt wird.

Micahs Suche nach dem Bruder

Ein anschauliches Bei­spiel für meine Aussage, dass die »di­ver­se Cha­rakter­eigen­schaft« eine Per­son de­fi­niert und die Hand­lung sich im Krei­se dreht, ist Micahs Suche nach ihrem Zwillings­bru­der Adrian. Was die Hand­lung für mich deut­lich spannen­der ge­macht hätte, wäre eine aus­ge­reif­tere Suche nach Micahs Bru­der. Dass sie tat­säch­lich Fort­schritte macht, ihm näher kommt oder Hin­wei­sen nach­geht. Ich war un­glaub­lich neu­gie­rig auf Adrian und jedes Mal voller Vor­freu­de, wenn Micah er­zählte, dass sie einen Club, ein Mu­seum oder ein LGBTQ Zentrum auf­su­chen würde – stets in der Hoff­nung dort ihren Bruder zu fin­den. Man hätte so viel da­raus machen können und meine Enttäu­schung war jedes Mal aufs Neue groß, wenn Micahs Suche er­neut mit dem Satz »Die Suche war er­folg­los« zu­sammen­ge­fasst wurde.

someone new lyx

Charaktereigenschaft: homosexuell

Dass Micah über­haupt auf der Suche nach ihrem Bru­der ist, liegt daran, dass er sich un­frei­willig vor sei­nen Eltern ge­outet hat und diese ihn da­rauf­hin ver­stie­ßen. Dass Micahs Eltern Adrians Sexu­ali­tät nicht akzep­tie­ren, finde ich schade. Unter ande­rem weil es auf mich den Ein­druck macht, dass Adrian ledig­lich durch seine Homo­sexua­lität und die Homo­phobie der Eltern cha­rak­teri­siert wird. Leider ist das mein Ein­druck, der sich durch das ge­sam­te Buch zieht: dunkel­häuti­ge Per­so­nen werden dis­krimi­niert, die homo­sexu­elle Person wird ver­sto­ßen, die durch Schwan­ger­schaft über­ge­wich­tige Freun­din wird für ihr Ge­wicht ver­ur­teilt. Kann man in Büchern nicht lie­ber das Be­wusst­sein stär­ken, dass es anders­rum auch geht? Ich wünsche mir mehr to­leran­te Eltern in Bü­chern, die mit gu­tem Bei­spiel vo­ran­gehen.

Eine letzte Sache, die mir bei die­sem The­ma ein­fällt, ist, dass ich es nicht nach­voll­zie­hen kann, wieso Adrian Micah be­straft. Micah steht zu ein­­hun­­dert Pro­­zent hinter ihm. Sie liebt ihren Bruder und will ihm hel­­fen. Ihre El­tern sind die­­jeni­­gen, die Adrian ver­­sto­­ßen haben und dennoch straft er Mi­cah mo­­nate­­lang mit Igno­­ranz. Wo­mit hat sie das ver­­dient? Gerade bei Zwillin­­gen bin ich immer davon aus­­gegan­­gen, dass sie ein ganz be­­sonde­­res Band ver­­bin­det und ein Leben ohne einan­­der un­­glaub­­lich schwer­­fällt. Wie kann Adrian seine Schwester so be­­han­deln, wenn es doch die El­tern sind, die ihn ver­­sto­ßen haben?

Micah, ein neugieriger Comicfan

Kommen wir einmal zu Micah, denn Micah ist trotz all den ge­nann­ten Punk­ten, der aus­schlag­geben­de Grund, dass ich mich nicht mit Someone New an­freun­den kann. Ich konnte wäh­rend der ge­sam­ten Lek­türe keine Bin­dung zu ihr auf­bau­en. Micah ist humor­voll, selbst­be­wusst, offen und ver­ständnis­voll, was ihre Freunde be­trifft. Das sind alles wun­der­bare Ei­gen­schaf­ten, aber sie sorg­ten auch dafür, dass mir Micah ex­trem un­sym­pa­thisch ist. Gerade ihre offe­ne, selbst­bewuss­te und humor­volle Art wechsel­te für mich schnell zu pene­trant, ner­vig und auf­dringlich.

Ein Nein kommt für Micah nicht in Frage

Micah akzeptiert kein Nein – das ist eine Tat­sache. Julian gibt ihr immer wieder auf höf­li­che Art zu ver­ste­hen, dass er kein Inte­resse an ihr hat und dass zwi­schen ihnen alles in Ord­nung ist – auch wenn er we­gen ihr sei­nen Job ver­lo­ren hat. In Micahs Augen kann Julian ihr aber nicht ver­zie­hen ha­ben, egal, was er sagt. Des­we­gen lauert sie ihm im Mor­gen­grau­en auf und guckt durch den Spi­on an ihrer Tür, um mit­zube­kommen, wann er das Haus ver­lässt. Sie sucht ihn auch bei seiner Ar­beit auf, ob­wohl er ihr deut­lich zu ver­ste­hen gibt, dass er das nicht möchte.

Was Julian nicht möchte scheint Micah den ge­sam­ten Roman über gleich­gül­tig zu sein. Ich hatte beim Le­sen zu­dem oft den Ein­druck, dass sie Tat­sa­chen ver­dreht. Julian wird von ihr bei­spiels­wei­se häu­fig als Lüg­ner be­zeich­net, dabei lügt er sie nie an. Er be­hält pri­vate Dinge nur für sich, da er (noch) nicht über sie re­den möchte. Das macht Julian für mich nicht zum Lügner.

someone new laura kneidl

Ganz ehrlich, ich an Julians Stelle hätte auch keine Lust auf eine der­art auf­dring­liche Per­son wie Micah. Ich würde mich voll­kommen über­fallen füh­len und würde mir von Micah mehr Ge­duld wün­schen. Sie weiß ganz ge­nau, dass Julian etwas aus seiner Ver­gangen­heit ver­birgt und in mei­nen Au­gen ist es kein Ver­bre­chen, dass Julian sich ihr nicht so­fort offenbart. Sie kennen sich ja auch kaum! Des­we­gen finde ich es auch etwas be­fremd­lich, dass Micah ein ge­höri­ges Drama aus der Tat­sa­che macht, dass Julian nicht so­fort mit ihr schla­fen möchte. Ein Nein ist ein Nein, das Micah zu akzep­tie­ren hat.

Privatsphäre? Nicht bei Micah.

Ich finde es von Micah abso­lut takt­los, sich in Auris und Cassies Be­zie­hung ein­z­umi­schen. Sie hat ihnen un­ge­fragt ein Date or­gani­siert, und mir per­sön­lich wäre so eine Situ­ation extrem un­ange­nehm. Vor allem da sie der Be­zie­hung mit ihrer auf­dring­lichen und for­dern­den Art kei­nen Ge­fallen ge­tan hat! Micah sollte sich nicht nur in Ge­duld und Takt­ge­fühl üben, son­dern auch darin, ihre Nase nicht in frem­de An­gele­gen­hei­ten zu stecken.

Nennt mich ruhig prü­de oder spie­ßig, aber wenn wir schon aufs Takt­gefühl zu spre­chen kommen, muss ich sagen, dass ich Micahs Aussa­gen oft ab­so­lut ge­schmack­los finde. Laura Kneidl hat schon immer Cha­rak­tere er­schaffen, die kein Blatt vor den Mund neh­men. Ihre Dia­loge brin­gen mich zum Schmunzeln, sind keck und ein­fach witzig. Wirk­lich wahr, ich ge­nieße die Ge­sprä­che von Lauras Figu­ren sehr! Umso scho­ckier­ter bin ich über Micahs vul­gäre Art. Auf mich wirkt Micah so, als würde sie nur da­rauf war­ten, dass ihr Gegen­über Worte un­günstig wählt, so­dass sie eine zwei­deuti­ge An­spie­lung machen kann.

Micahs Doppelmoral

Des Weiteren mag ich ihre Doppel­moral nicht. Micah stu­diert Jura, weil ihre Eltern einen Er­ben für ihre Kanz­lei brau­chen. Nun, wo ihr Bruder unter­ge­taucht ist, opfert sie sich. Sie hat über­haupt keine Lust auf das Stu­dium, möchte sich lieber selbst ver­wirk­li­chen und ver­ab­scheut zu­dem alles, wofür ihre Eltern ste­hen. Dies gibt Micah ihnen un­miss­ver­ständ­lich zu ver­stehen. Sie ist stolz darauf, selbst­stän­dig zu sein und end­lich auf eige­nen Beinen zu stehen – dass sie nicht weiß, wie man eine Wasch­maschi­ne be­dient, lassen wir mal un­kommentiert.

Diese Aussage ent­spricht in meinen Augen ein­fach nicht der Wahr­heit. Sie lässt sich von vorne bis hin­ten von ihren Eltern fi­nan­zie­ren und ich glaube, wür­de sie wirk­lich ein­mal auf eigenen Bei­nen stehen, würde ihre Welt ziem­lich schnell ins Wanken ge­ra­ten und sie den Boden unter den Fü­ßen ver­lie­ren. Ganz zu schwei­gen dass ich unter keinen Um­stän­den Geld von meinen Eltern an­neh­men würde, wenn sie ihr eigenes Kind so hart ver­ur­tei­len, wie Micahs El­tern es tun. Ich weiß auch nicht … Micahs Cha­rak­ter wirkt auf mich voll­kommen wirr und ohne Konstrukt.

someone new laura kneidl

Die letzten fünfzig Seiten

Nachdem ich etwa vier­hundert­sieb­zig Seiten des Buches ge­le­sen hatte, be­gann end­lich der spannen­de Teil. Es passier­te viel und ich wusste ehr­lich ge­sagt gar nicht, wo­hin mit meinen Ge­füh­len. Umso er­staun­ter war ich, als das Buch abrupt be­endet war. Der Leser er­fährt Julians Ge­heim­nis, es gibt ein auf­klären­des Ge­spräch, einen Aus­blick und dann ist das Buch zu Ende? Wo kam die­ses Ende her? Oh man, für meinen Ge­schmack wird zum Schluss alles viel zu schnell ab­ge­hakt. Und so schön Micahs Re­ak­tion ist, so un­wahr­schein­lich finde ich sie. Ich be­zeich­ne mich als sehr to­leran­ten Menschen, hätte aber an Micahs Stelle un­zähli­ge Fragen ge­habt und müsste Julians Ge­heim­nis doch kurze Zeit sacken lassen.

Mich stört am Ende des Romans je­doch nicht vorran­gig Micahs Re­ak­tion. Mich stört haupt­säch­lich die Art, wie Someone New be­endet wurde. Man liest bei­nahe fünf­hun­dert Seiten und gera­de als die Lektüre be­ginnt, spannend zu wer­den und der Roman meine volle Auf­merksam­keit hat, ist er vorbei. Auf mich wirkt das Ende so, als würde man das Ge­heim­nis aus­plau­dern und sich nicht weiter mit der The­ma­tik be­schäf­tigen wollen. Ich habe mich ab­ge­fer­tigt ge­fühlt. Und ich kann wie viele ande­re sagen: Die The­ma­tik ist wich­tig. Es gibt viel zu we­ni­ge Bücher mit die­sem Thema. Doch an der Um­setzung dürfte mei­ner Mei­nung nach noch etwas ge­arbei­tet werden. Julian selbst finde ich ab­so­lut gelun­gen. Ich kann ihn und sein Ver­hal­ten ver­ste­hen. Mir haben auch die ganzen An­spie­lun­gen auf sein Ge­heim­nis im Laufe des Ro­mans sehr ge­fallen, doch das ganze Drum­he­rum hat für mich nicht gepasst.

Wie verbleiben Someone New und ich?

Ich finde es toll, dass Laura Kneidl The­men wie das in Someone New in Ge­schich­ten an­spricht. Ich finde es toll, dass sie da­durch vie­len Le­sern einen Zu­gang zu dem Thema schafft. Ein Buch mit queeren Cha­rak­te­ren und einer Thema­tik, die sehr selten in Ro­ma­nen an­gespro­chen wird, sorgt na­tür­lich dafür, dass sich viele Leser da­für be­geis­tern. Aller­dings muss für mich auch der Rest des Buches stimmen. Mich können die bun­te Fi­guren­viel­falt – die auf mich passa­gen­weise zu er­zwun­gen wirkt – und der wun­der­schöne Schreib­stil alleine nicht über­zeugen.

Ein hartes, aber in meinen Augen wah­res Ur­teil: Someone New ist der 0815 New Adult Roman mit di­ver­sen Fi­gu­ren – junges Mäd­chen zieht aus, um stu­die­ren zu ge­hen und trifft auf einen Jungen, beide ver­lie­ben sich. Man ordne jeder Figur eine Min­der­heit zu, schreibt in wirk­lich fan­tas­ti­scher Sprache fünf­hundert­fünf­zig Seiten nieder und tada, Someone New ist fer­tig. So leid es mir tut, und so wich­tig das Thema auch ist, mich konnte die­ses Buch nicht über­zeu­gen. Ich bin voll­kommen da­für, dass das an­gespro­che­ne Thema in viel mehr Büchern the­ma­ti­siert wird. Egal welches Genre, aber dann bitte auf an­spre­chende­re Weise und mit ein bisschen mehr Spannung.

Someone New konnte mich leider nicht begeistern. Ich konnte keine Bindung zur Protagonistin aufbauen, die Handlung ist zäh wie Kaugummi und gleichzeitig wirkte für mich das meiste vollkommen erzwungen und nicht natürlich. Schade!

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Laura Kneidl – Someone New – Lyx – 2019 – 550 Seiten – 12,90 €

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  • Kate

    März 14, 2019 at 8:14
    Antworten

    Hallöchen, du schreibst, es wirkt "zu gewollt" und das trifft es so unfassbar gut! Das sind die Worte, die mir die ganze Zeit gefehlt haben. Dass diese ständigen Erwähnungen der Popkultur nerven, hatten wir auf Goodreads ja schon ausgetauscht. Ich war mittendrin so genervt, dass ich das Buch erst einmal zur Seite […] Read MoreHallöchen, du schreibst, es wirkt "zu gewollt" und das trifft es so unfassbar gut! Das sind die Worte, die mir die ganze Zeit gefehlt haben. Dass diese ständigen Erwähnungen der Popkultur nerven, hatten wir auf Goodreads ja schon ausgetauscht. Ich war mittendrin so genervt, dass ich das Buch erst einmal zur Seite legen musste. Den Absatz unter "Das kunterbunte Spektrum an Figuren" kann ich so nur unterschreiben. Es waren auch einfach zu viele Charaktere. Da konnten die eigentlich nur oberflächlich bleiben. Und es muss eigentlich auch nicht alles an Diversität in einem Buch vorkommen oder? Zumindest nicht, wenn dann nicht jeder eine gewisse Tiefe bekommt. Die Doppelmoral hat mich auch so genervt! Sie studiert Jura für ihren Bruder und ihre Eltern, aber wenn sie bei ihren Eltern ist, hält sie ihnen das vor. Das hat so überhaupt nicht zusammengepasst. Und auch deinen Worten zum Ende kann ich nur zustimmen. Ich verlinke deine Rezension in meiner (die hoffentlich morgen online geht). Und jetzt komme ich wegen deiner Rezension zu spät zur Arbeit :D Liebste Grüße, Kate Read Less

    • Janika
      to Kate

      März 15, 2019 at 10:02
      Antworten

      Liebe Kate, herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut mich unglaublich, dass wir ähnliche Meinungen vertreten und es freut mich noch mehr, dass ich meine Gedanken so verständlich ausdrücken konnte, dass du sagst: Kann ich so unterschreiben, sehe ich genauso! Mir ist die Rezension nämlich wirklich schwergefallen und ich […] Read MoreLiebe Kate, herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut mich unglaublich, dass wir ähnliche Meinungen vertreten und es freut mich noch mehr, dass ich meine Gedanken so verständlich ausdrücken konnte, dass du sagst: Kann ich so unterschreiben, sehe ich genauso! Mir ist die Rezension nämlich wirklich schwergefallen und ich saß lange, lange Zeit an ihr, bis ich dachte, dass ich sie so tatsächlich online posten kann. Es ist ja auch wirklich ein Buch, über das man reden möchte. Aber gleichzeitig ist es schwierig, die passenden und vor allem angemessenen Worte zu finden ... Hach! Es freut mich jedenfalls, dass sie dir gefallen hat. Ich bin nun schon ganz gespannt auf deine Buchbesprechung und ja – du darfst meine Rezi natürlich gerne verlinken :) Ich hoffe, es gab für dich keine Probleme, weil du etwas später auf der Arbeit aufgetaucht bist :P Alles Liebe. Janika Read Less

  • Februargeschichten

    März 13, 2019 at 11:28
    Antworten

    […] nicht halb so gut zusammenfassen könnte, wie beispielsweise Katriona von Stürmische Seiten oder Janika von Zeilenwanderer. Ich bin einfach nur enttäuscht und denke, dass man viel mehr mit der Thematik hätte manchen […]

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  • René

    Februar 24, 2019 at 8:18
    Antworten

    Hallo Janika, eine tolle Rezension :) Mir erging es beim Lesen ziemlich ähnlich. Grundsätzlich möchte ich „Someone New“ jedem and Herz legen, oder zumindest dessen Nachwort. Doch das fällt schwer, wenn der Weg zum Ziel langatmig ist und erst auf den letzten Metern richtig Fahrt aufnimmt. Ich hoffe einfach, dass Großverlage […] Read MoreHallo Janika, eine tolle Rezension :) Mir erging es beim Lesen ziemlich ähnlich. Grundsätzlich möchte ich „Someone New“ jedem and Herz legen, oder zumindest dessen Nachwort. Doch das fällt schwer, wenn der Weg zum Ziel langatmig ist und erst auf den letzten Metern richtig Fahrt aufnimmt. Ich hoffe einfach, dass Großverlage nun vermehrt auf diverse Inhalte achten und das nicht mehr länger nur das tägliche Brot von Kleinverlagen und Selfpublishern bleibt. Alles Liebe, René Read Less

    • Janika
      to René

      Februar 26, 2019 at 12:52
      Antworten

      Lieber René, herzlichen Dank für deine lieben Worte! Ja, da stimme ich dir zu. Ich hoffe einfach, dass dieses Buch den Beginn von einer Reihe an own voice Büchern darstellt und viele Verlage und Autoren sich inspiriert und ermutigt fühlen, selbst diesen Schritt zu gehen :) Alles Liebe. Janika

  • Artmonalisa

    Februar 22, 2019 at 10:59
    Antworten

    Liebe Janika, vielen Dank für diese tolle, ausführliche(!) und vor allem ehrliche(!!) Rezension. Ich habe das Buch nicht gelesen, kann aber jeden einzelnen von dir kritisierten Punkt nachvollziehen. Klasse, dass du dich gewagt hast so eine ehrliche Rezension zu schreiben, gerade weil das Buch ja im Moment überall gehyped wird! […] Read MoreLiebe Janika, vielen Dank für diese tolle, ausführliche(!) und vor allem ehrliche(!!) Rezension. Ich habe das Buch nicht gelesen, kann aber jeden einzelnen von dir kritisierten Punkt nachvollziehen. Klasse, dass du dich gewagt hast so eine ehrliche Rezension zu schreiben, gerade weil das Buch ja im Moment überall gehyped wird! LG Artmonalisa Read Less

    • Janika
      to Artmonalisa

      Februar 26, 2019 at 12:49
      Antworten

      Liebe Alisa, vielen Dank für deine lieben Worte :) Ja, ich hatte auch ein wenig Angst vor der Veröffentlichung der Rezension, gerade weil so viele Leser es loben. Da möchte man ja eigentlich ungern das schwarze Schaf sein :P Alles Liebe. Janika

  • Nadine

    Februar 21, 2019 at 18:18
    Antworten

    Eine schöne Rezension! Mir hat es gefallen, wie du deine Kritik mit anschaulichen Beispielen untermauert hast, ohne zu spoilern. Bei einem Buch, dass so gehypt wird und das alle für so wichtig erachten, ist auch interessant mal eine kritische Rezension zu lesen. Zum Thema Popkultur: In Leah on the Offbeat […] Read MoreEine schöne Rezension! Mir hat es gefallen, wie du deine Kritik mit anschaulichen Beispielen untermauert hast, ohne zu spoilern. Bei einem Buch, dass so gehypt wird und das alle für so wichtig erachten, ist auch interessant mal eine kritische Rezension zu lesen. Zum Thema Popkultur: In Leah on the Offbeat wird viel Bezug zu Harry Potter genommen und die Anspielungen ziehen sich durch das gesamte Buch. Ich als großer Potterhead fand das natürlich super, aber auch da habe ich mich die Frage gestellt, wie es andere finden werden, die mit dem Fandom nichts am Hut haben. Liebe Grüße Nadine Read Less

    • Janika
      to Nadine

      Februar 26, 2019 at 12:47
      Antworten

      Liebe Nadine, danke dir. Dass ich Spoilern aus dem Weg gehen konnte, war mir auch wichtig. Einfach damit sich auch Menschen, die das Buch noch nicht gelesen haben, ein Bild von der Geschichte machen können. Es freut mich, dass es mir gelungen ist :) »Leah on the Offbeat« steht noch […] Read MoreLiebe Nadine, danke dir. Dass ich Spoilern aus dem Weg gehen konnte, war mir auch wichtig. Einfach damit sich auch Menschen, die das Buch noch nicht gelesen haben, ein Bild von der Geschichte machen können. Es freut mich, dass es mir gelungen ist :) »Leah on the Offbeat« steht noch auf meiner Leseliste und als großer Potterfan freue ich mich dann natürlich auch darüber! Aber es ist halt echt so ... Man kann halt nicht davon ausgehen, dass sämtliche Leser auch alles andere kennen, was Autoren in die Bücher einfließen lassen. Wenn es einmal passiert, kein Ding. Aber es kommt halt echt auf die Menge an und ob man der Geschichte dann noch entspannt folgen kann ... Alles Liebe. Janika Read Less

  • Hauntedcupcake

    Februar 19, 2019 at 6:21
    Antworten

    Guten Morgen :) Habe gerade deine ausführliche Rezi gelesen. Wirklich toll gemacht! Ich finde deine Begründungen gut dargelegt und überlege mir, ob ich das Buch dann überhaupt noch lesen werde, oder ob ich mich nicht doch lieber einem anderen Werk der Autorin widme... Danke dir für die wunderbare wenn auch nicht allzu […] Read MoreGuten Morgen :) Habe gerade deine ausführliche Rezi gelesen. Wirklich toll gemacht! Ich finde deine Begründungen gut dargelegt und überlege mir, ob ich das Buch dann überhaupt noch lesen werde, oder ob ich mich nicht doch lieber einem anderen Werk der Autorin widme... Danke dir für die wunderbare wenn auch nicht allzu lobende ;-) Rezi! Katy Read Less

    • Janika
      to Hauntedcupcake

      Februar 26, 2019 at 12:39
      Antworten

      Liebe Katy, vielen lieben Dank. Falls du es lesen möchtest, sag gerne Bescheid! Dann leihe ich es dir aus :) Ansonsten kann ich dir »Die Krone der Dunkelheit« sehr empfehlen. Das Buch macht einfach Spaß! Alles Liebe. Janika

  • Gina

    Februar 19, 2019 at 5:29
    Antworten

    Liebe Janika, auweia, das klingt nach einem sehr anstrengendem Buch. Hab einen schönen Tag und mach dir keine Gedanken, irgendwem mit deiner Rezension auf den Schlips zu treten. Seine Meinung vertreten zu dürfen finde ich immer sehr wichtig und das hast du auch sehr gut und sachlich gemacht. Liebe Grüße, Gina […] Read MoreLiebe Janika, auweia, das klingt nach einem sehr anstrengendem Buch. Hab einen schönen Tag und mach dir keine Gedanken, irgendwem mit deiner Rezension auf den Schlips zu treten. Seine Meinung vertreten zu dürfen finde ich immer sehr wichtig und das hast du auch sehr gut und sachlich gemacht. Liebe Grüße, Gina Read Less

    • Janika
      to Gina

      Februar 26, 2019 at 12:38
      Antworten

      Liebe Gina, für mich war es das tatsächlich. Vielen anderen hat es aber auch sehr gefallen :) Ich denke, da kommt es wirklich auf den Einzelfall an :) Alles Liebe. Janika

  • Ivy

    Februar 18, 2019 at 17:59
    Antworten

    Liebe Janika, auf dein Kommentar auf meinem Blog (ich weiß nicht, ob du es überhaupt gesehen hattest) habe ich dir geantwortet, wie gespannt ich auf deine Meinung zu diesem Buch sei, gerade weil du schon angekündigt hattest, dass sie eher negativ ausfallen wird. Zunächst möchte ich dir sagen, dass ich […] Read MoreLiebe Janika, auf dein Kommentar auf meinem Blog (ich weiß nicht, ob du es überhaupt gesehen hattest) habe ich dir geantwortet, wie gespannt ich auf deine Meinung zu diesem Buch sei, gerade weil du schon angekündigt hattest, dass sie eher negativ ausfallen wird. Zunächst möchte ich dir sagen, dass ich deine Rezension großartig finde. Du hast alles so wunderbar erklärt, untermauert und deutlich gemacht, wieso und weshalb es dir nicht gefallen hat und mich dadurch tatsächlich auch zum überdenken einiger Aspekte gebracht und genau das ist es, was ich gerade an negativen Rezensionen meist so sehr liebe, besonders dann, wenn mir das Buch – wie in diesem Fall – sehr gut gefallen hat. Ich muss dazu sagen, dass ich noch immer nur den ersten Entwurf quasi kenne, den ich lesen durfte und mir durch andere Leser seither aufgefallen ist, dass sich doch einige Dinge verändert haben. Ich lese aktuell das erschienene Buch und werde danach meine Rezension dazu verfassen. Ich kann deine Kritikpunkte wirklich gut verstehen, insbesondere was Micah anbelangt. Von ihrer Persönlichkeit her mochte ich sie eigentlich super gerne, ich konnte mich in vielerlei Hinsicht mit ihr identifizieren, hatte aber auch große Probleme mit ihrer Aufdringlichkeit, die man teilweise ja schon fast mit Stalking vergleichen konnte. Es war sicherlich lieb von ihr gemeint, aber teilweise kam es wirklich ziemlich problematisch rüber. Auch was das Thema „auf eigenen Beinen stehen“ angeht. Du hast absolut Recht, was mir vorher nie so klar war. Sie spricht davon, eigenständig und selbständig zu leben, lässt sich aber von ihren Eltern aushalten und das OBWOHL sie momentan nicht gut auf sie zu sprechen ist. Auf der einen Seite kann man es natürlich auch so verstehen, dass sie sie extra ausnutzt, aus Rache vielleicht (wie mit der Spende) aber dennoch schreit das ziemlich laut nach Doppelmoral. Ansonsten muss ich sagen, dass mir die Charaktere unglaublich gut gefallen haben, auch wenn sie für den finalen Text offensichtlich teilweise wirklich etwas abgeändert wurden. Cassie zum Beispiel mochte ich unglaublich gerne. Als erzwungen empfand ich die Diversität gar nicht. Natürlich werden hier sehr viele Minderheiten repräsentiert, aber genau das hat mir so gut gefallen, da es meiner Meinung nach im wahren Leben tatsächlich so ist, insbesondere in einer Großstadt. Ich muss immer an meine Zeit in New York denken, wir waren eine Gruppe junger Menschen (schwarze, homosexuelle, Transvestiten, transgender, Asiaten, Frauen, die jung Mutter geworden sind, Veganer/Vegetarier, etc. pp.) In einem kleinen Dorf mag das vielleicht anders sein, aber ich finde Laura hat damit ziemlich genau aufgezeigt, wie es tatsächlich im wahren Leben ist. Selbst bei mir auf der Arbeit ist es mittlerweile total bunt gemischt und das finde ich großartig. Ich kann allerdings auch verstehen, dass du dir eine ganz andere Entwicklung gewünscht hättest und eben nicht nur, dass alles negativ dargestellt wird (der schwule Sohn wird verstoßen, der Schwarze wird diskriminiert, etc. pp.) allerdings ist es leider heutzutage so, dass so etwas noch viel zu häufig vorkommt. Ich erlebe es mit meinem Freund, der ebenfalls schwarz ist, noch viel zu häufig und ich finde es daher sehr gut, wenn man in Büchern eben ganz konkret auch das hervorhebt und aufzeigt, was eben in unserer Gesellschaft falsch läuft, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Was man vielleicht als Kritik noch einwerfen könnte und vielleicht sogar sollte, ist die Tatsache, dass nicht eine Frau diese Geschichte hätte erzählen sollen, sondern man einem Betroffenen hätte die Möglichkeit geben sollen, doch leider ist es auf dem Buchmarkt ja leider noch immer so, dass own voice Büchern noch viel zu wenig Raum geboten wird und wenn man überlegt, dass endlich ein solch diverses Buch tatsächlich – ob nun von einer weiblichen weißen Autorin geschrieben oder nicht – auf der deutschen Bestsellerliste ist, ist das schon ein wahnsinnig großer Schritt nach vorne und vielleicht ist es genau das, was die Buchwelt zukünftig nachhaltig auch verändern wird. Achso … und was die Anspielungen auf Popkultur angeht frage ich mich gerade wirklich, ob es so viel mehr geworden ist als in der Version, die ich kenne, denn mir kam es überhaupt nicht viel vor, ganz im Gegenteil, ich fand es genau richtig. Aber ich habe jetzt schon öfter gehört, dass vielen Leuten das eben zu viel war und wie du sagst ist es natürlich sehr schade, wenn man diese Serien, Filme, Bücher, Comics etc. als Leser selbst nicht kennt und erst mal wie ein Ochse vorm Berg steht und einfach kein Plan hat, wovon gerade gesprochen wird. Alles in allem finde ich es natürlich schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat, aber natürlich auch total legitim. So ist das eben manchmal im Leben, entweder man mag ein Buch oder man mag es nicht. Dafür gibt es andere Bücher, die dich hoffentlich in Zukunft zu 100 % überzeugen können :-) Ich mochte das Buch wie gesagt sehr, für mich war es ein Highlight – bis auf ein paar winzig kleine Aspekte, die mich eventuell zum Augenrollen gebracht haben. Danke dir jedenfalls für die großartige Rezension! Ganz liebe Grüße Ivy PS sorry für den übermäßig langen Text! Read Less

    • Janika
      to Ivy

      Februar 26, 2019 at 12:37
      Antworten

      Liebe Ivy, zunächst einmal herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube, du hast offiziell einen Rekord auf Zeilenwanderer aufgestellt und ich bin sehr froh, dass dieser von dir kommt! :) Danke auch für dein Lob. Ich finde es gerade bei Büchern wie »Someone New« wichtig, dass meine seine Kritik auch […] Read MoreLiebe Ivy, zunächst einmal herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube, du hast offiziell einen Rekord auf Zeilenwanderer aufgestellt und ich bin sehr froh, dass dieser von dir kommt! :) Danke auch für dein Lob. Ich finde es gerade bei Büchern wie »Someone New« wichtig, dass meine seine Kritik auch ordentlich in Worte fasst, damit Leser, die das Buch mochten, auch andere Meinungen nachvollziehen können. Schön, dass es mir offenbar gelungen ist. Eine Sache vorweg: Ich bin nun auch schon sehr gespannt, wie dir der finale Roman gefallen wird. So wie du es beschreibst und so wie ich es erlebt habe, scheinen doch noch einige Änderungen vorgenommen worden zu sein. Bei Micah stimme ich dir absolut zu. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie alles lieb gemeint hat und niemandem schaden wollte. Ich finde es auch großartig, wenn Menschen so offen und positiv durchs Leben gehen. Mir war ihre Art nur ab und zu etwas zu ungestüm, wenn man so sagen kann. Würde ich Micah im echten Leben kennen, hätte ich das Gefühl, dass sie kein Nein akzeptieren würde, dass ich nichts für mich behalten dürfte, weil sie alles wissen möchte. Es ist auch schön, wenn jemand so an einer anderen Person interessiert und neugierig ist, allerdings würde ich mir wünschen, dass man die Grenzen anderer Menschen akzeptiert. Den nächsten Punkt mit dem Thema Diversität finde ich etwas schwierig zu verpacken, da ich niemandem auf den Schlips treten möchte. Ich selbst habe auch jahrelang in einer Großstadt gelebt und es nicht so kunterbunt erlebt wie es in »Someone New« dargestellt wird. Vielleicht liegt es daran, dass Dublin und Bremen nicht so groß sind wie New York und klar, in einem kleinen Dorf sieht es natürlich auch nochmal ganz anders aus. Für mein Empfinden und meinen persönlichen Erfahrungen nach war es nur einfach zu viel. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich den Eindruck hatte, dass die Nebenfiguren hauptsächlich an ihrer Minderheit definiert wurden und ansonsten sehr blass für mich blieben. Ich stimme dir aber absolut zu, dass »Someone New« ein großartiger und wunderbarer Schritt in die richtige Richtung ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Erfolg des Romans mehr Verlage und (vielleicht künftigen) Autoren inspirieren wird, sich öfter own voice Büchern zu widmen und hoffe, dass dies wirklich geschehen wird. Alles Liebe. 
Janika Read Less

  • Sabrina

    Februar 18, 2019 at 14:12
    Antworten

    Liebe Janika, vielen Dank für diese wunderschöne, ausführliche und vor allem ehrliche Rezension. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, kann aber wirklich jeden einzelnen Punkt von dir nachvollziehen, weil ich genau die gleichen Gedanken schon bei anderen Büchern hatte, die sich mit Diversität und ähnlichen Thematiken, die besonders populär […] Read MoreLiebe Janika, vielen Dank für diese wunderschöne, ausführliche und vor allem ehrliche Rezension. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, kann aber wirklich jeden einzelnen Punkt von dir nachvollziehen, weil ich genau die gleichen Gedanken schon bei anderen Büchern hatte, die sich mit Diversität und ähnlichen Thematiken, die besonders populär im YA-Bereich vertreten sind, beschäftigen. Hätte ich das Buch gelesen, hätten mich vermutlich die gleichen oder zumindest ähnliche Punkte gestört, wie dich. Hab einen guten Start in die neue Woche! Sonnige Grüße aus Frankfurt! Sabrina Read Less

    • Janika
      to Sabrina

      Februar 26, 2019 at 12:18
      Antworten

      Liebe Sabrina, herzlichen Dank dafür. Schade, dass du ähnliche Gedanken bei anderen Büchern hattest. Bei so wichtigen Themen wäre eine gelungenere Umsetzung ja wirklich erstrebenswert :/ Aber naja, ich denke, wir zwei sind auch sehr aufmerksame Leser und viele bemerken manches gar nicht, was uns stört. Mal sehen wie sich […] Read MoreLiebe Sabrina, herzlichen Dank dafür. Schade, dass du ähnliche Gedanken bei anderen Büchern hattest. Bei so wichtigen Themen wäre eine gelungenere Umsetzung ja wirklich erstrebenswert :/ Aber naja, ich denke, wir zwei sind auch sehr aufmerksame Leser und viele bemerken manches gar nicht, was uns stört. Mal sehen wie sich das alles in den nächsten Jahren weiterentwickelt :) Alles Liebe. Janika Read Less

  • Yvonne

    Februar 18, 2019 at 12:58
    Antworten

    Liebe Janika, was für eine tolle Rezension! Ehrlich, gut gegliedert und nachvollziehbar. Bei Adrian kann ich dir auch nur zustimmen. Das fand ich am Anfang noch am spannendsten. Ich dachte mir, super, jetzt sucht sie da und da und dann findet man Stück für Stück mehr heraus...stattdessen hockt sie in einem […] Read MoreLiebe Janika, was für eine tolle Rezension! Ehrlich, gut gegliedert und nachvollziehbar. Bei Adrian kann ich dir auch nur zustimmen. Das fand ich am Anfang noch am spannendsten. Ich dachte mir, super, jetzt sucht sie da und da und dann findet man Stück für Stück mehr heraus...stattdessen hockt sie in einem Cafe, trinkt was, geht wieder, weil er halt nicht da ist. Und dann? Das war so antiklimatisch. Weil ich selbst Zwilling bin, konnte ich mit Adrian nicht mitfühlen. Würde Nadine mich monatelang so ignorieren, würde ich ihr die Hölle heiß machen. Meiner Mutter habe ich davon erzählt und sie konnte das auch überhaupt nicht nachvollziehen. Natürlich gibt es auch Zwillinge, die nicht so eine enge Verbindung haben, aber da hat meine Mutter nur mit dem Kopf geschüttelt, das fand sie unlogisch. Außerdem hätte ich die Welt auf den Kopf gestellt, um meine Schwester zu finden und nicht in den Pausen meiner Love Story in bestimmten cafes gechillt. Jetzt mal arg ausgedrückt, weißt du, was ich mein? Es wäre auch was anderes gewesen, wenn ich mehr über Adrian erfahren hätte. So wurde er gefühlt nur über seine Homosexualität definiert. Wie eben viele andere Charaktere auch. Deine Worte zu Mica sind spot on, wie es im englischen so schön heißt. Klasse und Danke dafür! Ganz liebe Grüße Yvonne :) Read Less

    • Janika
      to Yvonne

      Februar 26, 2019 at 12:16
      Antworten

      Liebe Yvonne, herzlichen Dank, das freut mich sehr zu hören! Da hast du absolut recht. Man hätte so viel mehr aus der Geschichte von Micah und Adrian holen können, da ist die Umsetzung tatsächlich etwas mau gewesen ... Ich selbst habe keinen Zwillingen, aber das, was du beschreibst, habe ich […] Read MoreLiebe Yvonne, herzlichen Dank, das freut mich sehr zu hören! Da hast du absolut recht. Man hätte so viel mehr aus der Geschichte von Micah und Adrian holen können, da ist die Umsetzung tatsächlich etwas mau gewesen ... Ich selbst habe keinen Zwillingen, aber das, was du beschreibst, habe ich mir eben auch so vorgestellt! Deswegen finde ich die Darstellung im Roman auch so enttäuschend. Micah erlebt so wichtige Dinge, aber setzt ihre Prioritäten ganz woanders. Alles Liebe. Janika Read Less

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