Mehwish Sohail – Like Water in Your Hands

Ihr Lieben, lasst uns heute über ein Debüt sprechen, das im November 2021 veröffentlicht wurde. In meiner Buchbubble lese ich immer wieder, dass ein Buch jemanden »nachhaltig beeindruckt« hat. Ich benutze diese Wörter selten, weil sie oft nicht zutreffen. Wenn mich etwas nachhaltig beeindruckt, dann bedeutet das, dass mich eine Geschichte noch lange bewegt hat, dass ich nach dem Beenden des Romans noch an die Figuren gedacht habe und mir bestimmte Aussagen nicht aus dem Kopf gegangen sind. Mehwish Sohail hat dies mit Like Water in Your Hands hinbekommen. Viel Spaß mit der Rezension.

Worum geht’s in Like Water in Your Hands?

Die 19-jährige Arwa ist gerade erst für ihr Studium nach Wien gezogen. Aber statt Freundschaften zu knüpfen, verliert sie sich in ihrer Kunst und meidet den Kontakt zu anderen, wo sie nur kann. Das ändert sich, als sie auf Tariq trifft, der vom ersten Augenblick an nie gekannte Gefühle in ihr weckt. Doch Tariq, dem es zunehmend schwerer fällt, die Traditionen seiner Familie mit dem Wunsch nach Freiheit zu vereinbaren, kämpft gegen seine eigenen Dämonen. Und je näher sich Arwa und Tariq kommen, desto klarer wird, dass ihre Liebe nur eine Chance hat, wenn sie sich ein für alle Mal ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft stellen …

Meine Meinung

Als erstes ist mir der unvergleichbare poetische Schreibstil von Mehwish Sohail aufgefallen. Noch immer fällt es mir schwer zu glauben, dass Like Water in Your Hands ihr Debüt ist, denn so ist dieser Roman keineswegs geschrieben. Mehwish hat ein unglaubliches Talent für Worte und dafür, Stimmungen und Atmosphäre zu kreieren. Dieses Buch ist schlicht und einfach in wunderschöner Sprache verfasst und sucht seinesgleichen.

Die Autorin schreibt malerisch, sodass ein Bild im Kopf der Leser:innen entsteht, und verliert sich nicht in endlosen Metaphern oder verschachtelten Sätzen. Ich liebe es! Das Einzige, das mir am Schreibstil ein klitzekleines bisschen missfallen hat, waren die englischen Begriffe. So was ist aber bekanntermaßen Geschmacksache und ich denke, dass es viele Leser:innen auch nicht stören wird. Wie gesagt: für mich persönlich ein klitzekleiner Kritikpunkt an dem ansonsten wirklich wundervollen Schreibstil.

Atmosphäre

Mehwish kann Atmosphäre schaffen. Irgendwie hat es sich ein wenig so angefühlt, als würde ich beim Lesen in eine blaue Wolke eintauchen, die ganz weit weg von meinem Alltag ist. Eine blaue Wolke voller Melancholie. Ich muss zugeben, dass es mir schwerfiel, viele Seiten am Stück zu lesen, da mich die Atmosphäre in meinem Alltag sehr beeinflusst hat und ich öfter traurig wurde, wenn ich mehrere Kapitel am Stück gelesen habe. Die Geschichte ist voller Emotionen und Mehwish hat es hinbekommen, sämtliche Gefühle der Figuren mit Worten einzufangen und diese gingen mir sehr nah.

Eine Stimmung wie in Like Water in Your Hands habe ich bis dato nicht gelesen und ich muss sagen, dass sie für meinen Geschmack an einigen Stellen zu wehmütig war. Mit Wehmut verbinde ich eine zarte Traurigkeit und ich finde, dass das Gefühl einer zarten Traurigkeit den Roman ziemlich gut trifft. Besonders in Hinblick auf die Protagonistin Arwa, die wie von einer zarten Traurigkeit umgeben wirkt.

Figuren

Ich gebe zu: Es fiel mir zu Beginn schwer, mit Arwa warm zu werden, weil mir ihre Gefühle in vielerlei Hinsicht sehr fremd sind und ich sie als sehr bedrückend empfand. Aber dass ich mich selbst nicht so gut in ihr wiedergefunden habe wie in anderen Figuren, bedeutet nicht, dass ich sie nicht mochte. Ich finde sie interessant und habe sie mit jeder Seite mehr in mein Herz geschlossen. Je weiter ich gelesen habe, desto besser konnte ich Arwas Gefühle und Motivationen auch nachvollziehen – besonders was das letzte Drittel betrifft.

Ich habe den Eindruck, dass Arwa im letzten Drittel Themen, die sie sehr beschäftigen, viel stärker betont und ihnen deutlich mehr Raum gibt, sodass ich nachvollziehen konnte, wieso sie gewisse Dinge tut oder nicht – gerade in Bezug auf Pakistan, ihre Kunst und ihr Studium. Zu Beginn des Romans empfand ich Arwa als sehr distanziert und schwer greifbar (was aber auch einfach zu ihrem Charakter gehört?), und ich habe mich gefreut, mehr von ihr zu erfahren und näher an sie herangelassen zu werden. Arwa durchläuft eine enorme Charakterentwicklung und wächst zum Schluss so sehr über sich hinaus, dass ich beim Lesen Stolz empfand!

Tariq

Tariq ist der Love Interest und im Gegensatz zu Arwa für mich deutlich greifbarer gewesen. Ungefähr ab der Hälfte des Romans bekommen Leser:innen seine Perspektive zusätzlich zu Arwas, was mir gut gefallen hat. Die Stimmung war eine ganz andere und ich könnte vermutlich bei jeder willkürlich aufgeschlagenen Seite sagen, wessen Perspektive für das jeweilige Kapitel gewählt wurde, so gut trifft Mehwish die individuelle Stimme ihrer Figuren.

Genau wie Arwa ist Tariq auf der Suche nach seinem Weg im Leben und verfolgt letztlich einen Plan, den ich überhaupt nicht habe kommen sehen. Seine Gedanken haben mich stark fasziniert und ich bin ganz angetan davon, wie sehr er seine Zukunftspläne verfolgt. Diese sind alles andere als klischeebehaftet und ich finde es toll, wie Mehwish sie in den Roman eingebaut hat. Was die Handlung, die Atmosphäre und die Figuren angeht, mischt Mehwish die deutsche New-Adult-Bubble ordentlich auf und ich finde, das ist auch richtig gut so.

Themen

Familie, Tradition und Kultur spielen in Like Water in Your Hands eine wesentliche Rolle, was mir gut gefallen hat. Ich mochte die Einblicke in eine mir bis dahin vollkommen fremde Kultur. Meine persönlichen Highlights im Roman waren die Familie Sadeem mit sämtlichen Familienmitgliedern sowie die Freundschaften, die Arwa im Laufe des Romans mit anderen Figuren entwickelt. Dieses Buch lebt meiner Meinung nach von seinen Figuren und der Kultur.

Ich bin kein großer Fan von überdimensionalen (oder künstlichen) Dramen und hab es genossen, dass Like Water in Your Hands auch darauf verzichtet. Allerdings hat sich der Roman für mich passagenweise gezogen. Gerade weil ich vieles repetitiv empfand: Es gibt einfach sehr viele Familienfeste, Treffen mit Freunden und stille Momente, in denen man Einblicke in die Köpfe von Arwa und Tariq bekommt. Für mich hangelt sich die Geschichte an diesen drei Dingen entlang, was für mich einfach etwas langatmig war.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Mehwish Sohail – Like Water in Your Hands – LYX – 2021 – 480 Seiten – 12,90 €

Summary

Characters: 7/10, Atmosphere: 6/10, Writing: 9/10, Plot: 6/10, Intrigue: 7/10, Logic: 8/10, Enjoyment: 7/10

— Janika
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