Robert Goolrick – Wenn Prinzen fallen

Heute möchte ich euch eine Lek­tü­re vor­stellen, wie ich sie noch nie ge­le­sen habe. Ich le­se, wie ihr mittler­weile ver­mut­lich be­merkt habt, haupt­säch­lich Bücher, die in die Rich­tung Fan­ta­sy, Ro­mance & Co gehen. Doch ei­ni­ge Wer­ke locken mich ein­fach. Sei das nun durch ein an­sprech­en­des Cover, da­durch dass ich den Au­tor be­reits schätze oder, wie bei Wenn Prinzen fallen, da mich die Ge­schich­te und die ver­mut­lich ex­treme Cha­rak­ter­ent­wick­lung in­te­ressie­ren. Und ja, was habe ich für eine ge­wal­tige Cha­rak­ter­ent­wick­lung des Pro­ta­go­nis­ten die­ser Lek­türe er­lebt. Lest doch wei­ter, wenn ihr mehr wissen möch­tet!

An dieser Stelle be­danke ich mich herz­lich beim Blogger­por­tal und btb Verlag, die mir dieses Re­zen­si­ons­exemplar zur Ver­fü­gung stell­ten und durch die ich fest­stellen durf­te, wie spannend das Le­ben an der Wall Street sein kann.

Was das Feiern anging, sind wir damals wie Vampire gewesen. Wir schauten uns die Szene an, was auch immer das gerade für eine Szene war, und dann saugten wir sie bis auf den letzten Blutstropfen aus und ließen sie danach für die Leute aus den Suburbs und von auswärts zurück.

— S. 85

Kurzbeschreibung

Es geht nach New York. Das New York der 1980er Jahre. Rooney bekommt einen Job an der Wall Street, eher un­ge­wollt, da er durch seine Kunst nicht über­leben kann. Als Trader an der Wall Street er­lebt er in kür­zes­ter Zeit un­fass­baren Er­folg und lernt die schö­nen Sei­ten des Lebens kennen. Die ver­meint­lich schönen Seiten, denn nach dem Höhen­flug geht es für Rooney bald in noch nicht ge­kannte Ab­gründe.

Meinung

Ich bin be­geis­tert. Wenn Prinzen fallen hat mir aus­ge­spro­chen gut ge­fallen und ich be­ende das Buch mit einem mir un­be­kannten Ge­fühl. Eine selt­same Mi­schung aus Mit­ge­fühl, Ab­schaum und Fas­zi­na­tion. Diese Lek­türe weiß durch ver­schie­dene As­pekte zu punk­ten.

Schreibstil

Zunächst einmal zum Schreib­stil des Autors. Robert Gool­rick schreibt ein­zig­ar­tig und sein Aus­druck sticht wirklich ins Auge. Als fesselnd und lang würde ich ihn be­zeich­nen. Lang weil es schlicht und einfach stimmt: Seine Sätze gehen im Schnitt über min­des­tens drei Zei­len. Zu­nächst war ich da­von ab­ge­schreckt, bis ich be­merk­te, dass mich die Län­ge nicht im Ge­rings­ten stört. Ganz im Gegen­teil. Die Sätze wir­ken un­glaub­lich le­ben­dig und haben eine fesselnde Wir­kung auf Leser. Man ist wie gebannt.

Robert Goolrick flößt seinem Pro­ta­go­nis­ten eine so au­then­tische Erzähl­stimme ein, dass ich mich mit Rooney auf eine nicht vor­stell­bare Art ver­bun­den ge­fühlt habe. Wenn Prinzen fallen liest sich als würde Rooney bei euch im Zimmer sein. Ihr sitzt auf de­ka­den­ten Sesseln, trinkt ein köst­lich­es Ge­tränk und er er­zählt euch von seinem extra­va­ganten spannenden Le­ben. Rooney ist zum Freund ge­wor­den, auch wenn ihr unter­schied­licher nicht sein könntet.

Handlung & Chronologie

Rooneys Leben ist erschreckend. Er­schreckend und fas­zi­nierend und grau­sam. Immer wieder beim Lesen dachte ich mir: Mensch, bin ich froh, dass ich nicht so ein Le­ben füh­re. Es geht hoch, es geht run­ter. Rooney hat die schönsten Sei­ten des Lebens ge­sehen und auch die dun­kelsten Schatten er­lebt. Als Leser wer­den wir Zeuge des schillern­den Le­bens an der Wall Street und all der ex­qui­si­ten An­nehm­lich­kei­ten, die der Erfolg mit sich bringt. Die ab­sur­den Summen an Geld die Rooney zur Ver­fü­gung stehen, er­mög­li­chen ihm den Ein­tritt in eine ganz an­de­re Welt.

Und der spätere Fall aus die­ser hat es in sich. Mit­un­ter habe ich Rooney ein­fach nur be­mit­lei­det. Die Dinge, die er er­le­ben musste, sind herz­zer­bre­chend und sol­cher Art, die man sei­nem schlimmsten Feind nicht zu­mu­ten möchte. Gleich­zei­tig ist Rooney auch kein En­gel, der seinen Fall nicht ver­dient hätte. Sein Ego blen­det ihn während seiner glor­rei­chen Zei­ten hin und wieder, er stumpft ab und hin­ter­fragt sein Han­deln nicht im Ge­rings­ten. Als Leser fragt man sich dem­nach oft, ob seine Ta­ten mo­ra­lisch akzep­ta­bel sind oder nicht. Wenn Prinzen fallen erzählt von einem Lebens­stil, der mir bis dato un­glaub­lich fremd war und den ich dennoch fas­zi­nie­rend ver­folg­te. Die Seiten schwin­den nur da­hin und während­dessen findet eine in­te­ressante Selbst­re­flex­ion statt: Wie würde man selbst in Rooneys un­be­schreib­li­cher Si­tu­a­tion a­gie­ren?

(Achtung, Spoiler!)
Wie würdest Du reagieren, wenn Du in Dei­nem Wo­chen­end­haus eine Dei­ner Freundinnen tot auf­findest?
Wie würdest Du reagieren, wenn Du aus hei­te­rem Himmel ohne irgend­etwas da­stehst?
Würdest Du mit allen anderen mit­ma­chen? Würdest Du die Dro­gen nehmen? Den Ex­zessen bei­wohnen und Dich selbst als BSD (Big Swinging Dick) feiern?

Rooneys gesamte Schil­de­rung seines Lebens passiert nicht in chro­no­lo­gi­scher Reihen­folge. Die Er­eig­nisse passieren mal in der Gegen­wart, mal in der Ver­gangen­heit und die­ser Erzähl­stil macht Wenn Prinzen fallen zu einem wahren Page­turner. Man möchte un­be­dingt wissen, was Rooney noch in seiner erfolg­reichen Zeit an der Wall Street er­lebt hat. Wel­chem Skan­dal hat er bei­ge­wohnt? Gleich­zei­tig will man aber auch wissen, wie es jetzt um ihn steht. Geht es ihm gut? Ist er trotz sei­ner Ver­lus­te zu­frie­den mit sei­nem Le­ben oder war­tet er nur auf den Mo­ment sich eben­falls mit einer Über­do­sis selbst ins Grab zu brin­gen?

Eine rasante Geschichte rund um den Rausch des Geldes, der (Sehn-)Süchte und des verrückten Lebens, das die Wall Street Menschen bescheren kann. Energiegeladen und brisant fliegen die Seiten nur dahin.

 

Janika Zeilenwanderer Signatur

 

Eckdaten: Wenn Prinzen fallen von Robert Goolrick, übersetzt von Judith Schwab — btb Verlag — 2017 — 288 Seiten — € 10,00 [D]

Bewertung

Eine klare Leseempfehlung. Lass Dich in das funkelnde Leben des reichen Abschaums entführen und erleb gleichzeitig seine Schattenseiten.

— Janika
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