Christie Barlow – Wie ein Tanz auf Morgentau

Hallo ihr Lieben, der Sommer ist end­lich da und ein hei­ßer Tag folgt dem nächsten. Ich per­sön­lich ge­höre ja zu den Men­schen, die sich nicht über das Wetter be­schwe­ren und ge­nie­ße die Zeit am See oder irgend­wo in der Na­tur. Be­son­ders ge­nie­ße ich es aber auch, wenn ich die Zeit auf der Terrasse mit ei­nem Buch ver­brin­gen kann.

Zugegeben: Allzu oft ist das die­sen Juli nicht vor­ge­kommen, und ich habe mehr Zeit auf dem Pferde­rü­cken oder auf dem Wasser ver­bracht, dennoch habe ich es ge­schafft, ein Buch zu be­enden und das ge­schah auf der Terrasse mit den Bei­nen im Plantsch­be­cken. Passend zum Wetter ist es auch eine ab­solu­te Sommer­lek­türe und über die­se Ge­schich­te möchte ich heute mit euch reden. Viel Spaß also mit der Buch­be­spre­chung zu Wie ein Tanz auf Mor­gen­tau.

Kurzbeschreibung

Aufgewachsen auf der Honey­suckle Farm in Eng­land muss Alice von einem Tag auf den nächsten ihre Koffer packen und mit ihrer Mutter spon­tan nach New York ziehen. Den Grund für die über­stürzte Aus­wande­rung hat sie auch zehn Jahre spä­ter nicht er­fah­ren – sie weiß nur, dass ihr Opa und ihre Mutter einen fürch­ter­li­chen Streit hatten. Ob­wohl Alice in New York ihre Mutter und gute Freun­de hat, ver­misst sie die Farm und das Le­ben in Eng­land. Als sie die Nach­richt er­hält, dass es ihrem Groß­vater sehr schlecht geht, be­schließt sie, in die Hei­mat zu­rück­zu­kehren und be­kommt dort eine ein­mali­ge Chance ge­boten …

Natürlich hatte das Leben in New York seine Vorzüge, aber irgendetwas sagte mir, dass ich nicht hierhergehörte. Ich passte nicht hierher – und das schon von Anfang an nicht.

— S. 21

Meinung

Die Geschichte be­ginnt in New York und zeigt Alices Sorgen und Zwei­fel. Ob­wohl sie über gro­ßes Talent ver­fügt und auch eine Aus­bil­dung in dem Be­reich ab­sol­viert hat, kriegt sie als Tänze­rin keinen Job an Land gezogen. Das Le­ben in New York ist teu­er, so­dass sie ums Über­le­ben kämpfen muss und merk­lich ver­zwei­felt. Sie lebt in einer klei­nen Woh­nung und kommt kaum über die Run­den. Ihre Mutter be­fin­det sich in einer ähn­li­chen Situ­a­tion und auch wenn Alice sie und gute Freun­de hat, fühlt sie sich in New York doch nicht zu Hause. Es ist nicht ihre Heimat.

Als sie dann wegen ihres Groß­vaters zu­rück nach Eng­land kehrt, ist dies wie ein Er­wachen und Alice blüht auf. Sie sieht ihren ge­lieb­ten Opa wie­der und auch die Farm­tiere le­ben zum Teil immer noch. Be­son­ders über das alte Pony und den Hund freut sich Alice un­glaub­lich. Aber auch die Men­schen von da­mals leben noch in Brook Bridge und so kommt es zu vielen emo­tio­na­len Wie­der­sehen.

Der Gedanke, es wieder hinter mir zurückzulassen, ließ mich erschaudern, und in dem Moment wusste ich Bescheid. Die leise Stimme in meinem Unterbewusstsein verschaffte sich endlich Gehör. Schon als ich das Flugzeug verließ, überwältigte mich ein Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit.

— S. 69

Wiederholungen + steifer Ausdruck

Bis zu diesem Punkt hat mir Wie ein Tanz auf Mor­gen­tau sehr gut ge­fallen. Ich konnte Alice wun­der­bar ver­ste­hen und ihre Sorgen gut nach­voll­ziehen. Durch ihre aus­weg­lose Situ­a­tion und die Art mit ihr um­zu­ge­hen, wuchs sie mir schnell ans Herz. Doch eini­ge Kri­tik­punkte kamen mit der Rück­kehr nach Eng­land. Da Alice ihre ersten Kind­heits­jah­re in Eng­land und ihre Ju­gend in Ame­rika ver­brach­te, hat sie wohl einen etwas spe­ziellen Ak­zent: ame­ri­ka­nisch mit eng­li­scher Be­tonung.

Dass das für Aufsehen, Be­lus­ti­gung und Ver­wunde­rung sorgt, kann ich mir gut vor­stellen. Aller­dings muss eine Tat­sa­che wie ein be­son­de­rer Ak­zent nicht bei jeder Be­geg­nung er­wähnt wer­den. Ich hatte über hun­dert Seiten ver­teilt das Ge­fühl, dass auf jeder zwei­ten Seite eine An­spie­lung auf den Ak­zent ge­macht wird, was man sich meiner Mei­nung nach ein­fach hätte spa­ren können.

tanz morgentau christie

Den Schreibstil an sich fand ich die meis­te Zeit über wirk­lich an­ge­nehm. Ich konnte mich gut in Alice hi­nein­ver­setzen, die die Ge­schich­te er­zählt, und so auch gut ihre Sor­gen, Hoff­nun­gen und Träume nach­voll­ziehen. Hin und wieder empfand ich den Schreib­stil je­doch als steif und kalt. Ich kann mir je­doch vor­stellen, dass das einfach an der Redens­art der Briten liegt. Christie Barlow ist näm­lich eine Auto­rin, die aus West­eng­land stammt und da ist es ja lo­gisch, dass ihre Redens­art mit in den Ro­man fließt. Was auf Englisch vielleicht schön und stimmig klingt, wirk­te auf mich ein­fach etwas ver­klemmt und alt­backen.

Ansonsten empfinde ich den Aus­druck aber als gut. Passend zur Sommer­lek­tü­re ver­mittelt Wie ein Tanz auf Sommer­tau näm­lich genau die rich­ti­ge Stimmung. Eine be­flügel­te Phase im Le­ben von Alice, in der sie sich eini­gen Hür­den stellen muss, aber alle ruck­zuck mit­hil­fe ihrer Freun­de und Dorf­be­wohner über­win­den kann. Es wird ein­fach diese wunder­schö­ne Illu­sion ge­schaffen, die man so oft in Sommer­roman­zen und Highschool-Dra­men findet: ein paar dra­ma­ti­sche Schreck­momen­te, die ge­mein­sam über­wun­den wer­den. Eine Art heile Welt auf dem Land. Das hat mir gut ge­fallen.

Die Erinnerung brachte mich zum Lächeln, während ich im Sonnenschein dahinritt: »Das ist das Leben«, sagte ich laut und genoss in vollen Zügen den Frieden und die Ruhe hier draußen, die so stark im Gegensatz zum hektischen Lebenstempo in New York standen.

— S. 127

Alice, Sam und Co

Der Schreibstil hat in meinen Augen also etwas Gutes als auch etwas Schlech­tes. Und ähn­lich stehe ich auch den Fi­gu­ren gegen­über. Alice, ihre Freun­din Grace und ihren Groß­vater mochte ich sofort. Zu Be­ginn der Lek­türe schämt sich Alice sehr für ihren Miss­er­folg in New York. Sie hat das Ge­fühl, eine Ver­sage­rin zu sein und mag un­gern mit ihren Be­kann­ten aus Eng­land darü­ber spre­chen. Da­durch gerät sie während ihrer ers­ten Tage in Brook Bridge in eine etwas schwie­ri­ge Si­tu­ation. Kurze Zeit war ich ziem­lich sauer über ihr Ver­hal­ten – ich ver­schwei­ge an die­sem Punkt mal, was ge­nau sie tut –, aber umso glück­li­cher war ich, als sie ihren inne­ren Schweine­hund über­windet und ihr Ver­hal­ten über Bord wirft. Alice ist mutig und trifft im Laufe des Ro­mans immer wieder Ent­schei­dun­gen für sich selbst und nicht für je­mand ande­ren.

Etwas anders sieht es mit Sam aus. So attrak­tiv und toll er für Alice sein mag – ich konnte über­haupt keine Bin­dung zu ihm auf­bau­en. Ver­mut­lich liegt das daran, dass er die meiste Zeit des Ro­mans über eine sehr passive Rolle hat. Anders als ich ver­mu­tet habe, liegt der Mittel­punkt dieser Ge­schich­te näm­lich nicht auf der Lie­bes­ge­schich­te, son­dern in der dunklen Ver­gan­gen­heit von Alices Fami­lie. Dem­ent­spre­chend seltsam fand ich die Be­zie­hung zwi­schen Sam und Alice. Ganz im Sinne der In­stant Love haben sie sich nach zehn Minu­ten Ge­spräch un­sterb­lich ineinan­der ver­liebt und gera­de Alice empfin­det sehr extrem ihm ge­gen­über. Ich konnte diese Ge­füh­le leider nicht nach­voll­zie­hen, da ich über Sam nichts wusste. Außer eben dass er ziem­lich heiß und mit Grace be­freun­det ist. An dieser Stelle hätte ich mir von der Au­to­rin etwas mehr Tief­gang ge­wünscht. 

tanz morgentau barlow christie

Handlung

Alles in allem konnte mich Wie ein Tanz im Morgentau hand­lungs­tech­nisch über­zeu­gen. Alice steht vor einer schwie­ri­gen Ent­schei­dung: Kehrt sie zu ihrer Mutter nach New York zu­rück oder ver­wirk­licht sie sich selbst in ihrer Hei­mat? Wie eben schon be­tont, ist die Lie­bes­ge­schich­te des Ro­mans eher ne­ben­säch­lich. Viel­mehr geht es um die Ge­heim­nisse der Fami­lie. Wieso haben sich Alices Mutter und ihr Groß­vater so sehr ge­stritten? Was ist vor zwan­zig Jahren in Brook Bridge passiert? Wieso ste­hen die Dorf­be­woh­ner Sam so kri­tisch ge­gen­über?

An manchen Stellen kam mir der Ro­man bei­nahe wie ein klei­ner Krimi vor. Ge­mein­sam mit Alice kommt der Leser der Ver­gan­gen­heit lang­sam auf die Schliche und deckt ein Ge­heim­nis nach dem nächsten auf. Das fand ich super – be­son­ders weil ich nicht damit ge­rech­net habe. Allerdings muss ich sagen, dass ich das große Geheimnis doch etwas seltsam finde. Also in dem Sinne, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass so eine Situation sich auch nur ansatzweise in der Realität abspielen könnte.

Alices große Leiden­schaft ist das Tan­zen. Auch diesem Punkt wird die Lek­türe ge­recht. Sie be­tont immer wie­der, wie viel ihr das Tanzen und die Musik be­deu­ten. Gleich­zei­tig bekommt Alice durch ihren Auf­ent­halt in Eng­land eine große Chance: Ihr Groß­vater bie­tet ihr näm­lich das Tanz­stu­dio der ver­stor­be­nen Groß­mutter an. Dort lernte Alice als Mädchen tan­zen und würde das Fa­mi­lien­un­ter­nehmen fort­füh­ren können, jetzt wo ihre Mutter fort und ihr Groß­vater zu alt dafür ist. Für Alice wäre das Tanz­stu­dio nicht nur die Er­füllung eines Traums, son­dern auch der Aus­weg aus der finan­zie­llen Krise. Wie sich Alice ent­schei­det, müsst ihr aber selbst lesen.

christie barlow tanz morgentau

Mir hat die Geschichte alles in allem gut ge­fallen. Die Klei­nig­kei­ten wie die Ak­zent-Wie­der­holun­gen und der manch­mal etwas steif-wir­ken­de Schreib­stil sind As­pekte, über die ich hin­weg sehen kann. Denn ich wurde dennoch gut unter­halten und denke, dass Wie ein Tanz auf Mor­gen­tau eine köst­li­che Sommer­lek­türe ist für all die­je­nigen, die das bri­ti­sche Land­leben mögen oder eine Fas­zina­tion fürs Tan­zen haben.

Eine süße Sommerlektüre, die für mich zwar einige Schwächen aufweist, die ich aber dennoch sehr genoss. Für mich war das Buch genau das Richtige für die heißen Julitage.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Christie Barlow  – Wie ein Tanz auf Morgentau (übersetzt von Anita Sprungk) – Mira Verlag – 2019 – 384 Seiten – 9,99 €

– Vielen Dank an den Mira Verlag für das Bereitstellen des Leseexemplares. –

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Comments

  • […] ging nach Großbritannien in das überschaubare Brook Bridge. Dort begleitete ich Alice bei ihrem Tanz auf Morgentau. Als der Tanz vorüberging, reiste ich mit Lena nach Green Valley, Colorado. In den Rocky Mountains […]

  • Kate

    August 30, 2019 at 8:20
    Antworten

    Hallöchen, der Klappentext hat mich gerade direkt angesprochen. Ich mag so Heimkehr-Geschichten total gerne. Deine Kritikpunkte haben mich jetzt aber doch zum Nachdenken gebracht, denn ich mag diese Instant-Liebe überhaupt nicht. Zwar scheint die Liebesgeschichte ja nicht die tragende Rolle in dem Buch zu spielen, aber das finde ich trotzdem immer […] Read MoreHallöchen, der Klappentext hat mich gerade direkt angesprochen. Ich mag so Heimkehr-Geschichten total gerne. Deine Kritikpunkte haben mich jetzt aber doch zum Nachdenken gebracht, denn ich mag diese Instant-Liebe überhaupt nicht. Zwar scheint die Liebesgeschichte ja nicht die tragende Rolle in dem Buch zu spielen, aber das finde ich trotzdem immer sehr schade. Falls ich mal zufällig an dem Buch vorbeilaufe und Lust darauf habe, werde ich es vielleicht mitnehmen. Manchmal ist einem ja nach so leichter Abschalt-Lektüre :) Danke für deine Rezension! Liebste Grüße, Kate Read Less

    • Janika
      to Kate

      August 31, 2019 at 9:53
      Antworten

      Liebe Kate, ja, ich mag solche Heimkehrgeschichten auch total gerne und finde, dass sie oft absolute Wohlfühlgeschichten sind. Das ist super! Das ist richtig, so eine starke Liebesgeschichte ist der Roman nicht. Es ist zwar schon ein Thema, aber steht nicht so sehr im Vordergrund :) Als Sommerlektüre kann ich […] Read MoreLiebe Kate, ja, ich mag solche Heimkehrgeschichten auch total gerne und finde, dass sie oft absolute Wohlfühlgeschichten sind. Das ist super! Das ist richtig, so eine starke Liebesgeschichte ist der Roman nicht. Es ist zwar schon ein Thema, aber steht nicht so sehr im Vordergrund :) Als Sommerlektüre kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen. Alles Liebe. Janika Read Less

  • […] zweites Mal lesen würde. Wenn ihr an weiteren Leseeindrücken interessiert seid, schaut gerne bei meiner Buchbesprechung […]

  • Zeilentänzerin

    Juli 31, 2019 at 6:26
    Antworten

    Hallo liebe Janika, das Cover der Buches finde ich sehr gelungen. Sehr romantisch, sehr sommerlich und einfach insgesamt harmonisch. Dass das Buch dich nicht in allen Einzelheiten überzeugen konnte ist zwar schade, aber insgesamt war es ja doch ein Genuss, was sehr schön ist :) Liebe Grüße

    • Janika
      to Zeilentänzerin

      August 1, 2019 at 10:38
      Antworten

      Hallo meine Liebe, da stimme ich dir absolut zu. Ich finde auch, dass das Cover alleine schon eine klasse Atmosphäre erzeugt, die auch gut zur Geschichte passt. Von daher hat der Verlag bei der Coverauswahl alles richtig gemacht :) Alles Liebe. Janika

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