Colleen Hoover – All your perfects

Colleen Hoover zählt zu meinen abso­lu­ten Lieb­lings­auto­ren. Mit Slammed ver­lieb­te ich mich in ihre Ge­schich­ten, mit It ends with us war ich ihren Ge­schich­ten hoff­nungs­los ver­fallen. Seit­dem kaufe ich ihre Neu­er­schei­nun­gen jähr­lich ohne mir die Klappen­texte über­haupt durch­zu­lesen. Ich weiß so oder so, dass ihre Romane mich auf eine emo­tiona­le Ach­ter­bahn mit­neh­men werden. Dass mich ihre Ro­mane noch lange nach dem Be­enden be­we­gen wer­den. So auch All your perfects

Kurzbeschreibung

Quinn und Graham lernen sich unter ziem­lich doofen Be­dingun­gen kennen. Quinns Ver­lob­ter hat eine Affä­re mit Gra­hams Freun­din. Doch die­se Mise­re hat auch et­was Gu­tes, denn so be­geg­nen sich Quinn und Gra­ham. Ein hal­bes Jahr spä­ter treffen sie sich zu­fällig ein wei­te­res Mal und schnell steht fest, dass zwischen den bei­den etwas ist … Eine tie­fe Ver­bun­den­heit. Doch manche Proble­me lassen selbst die größte Liebe und Ver­bunden­heit schei­tern.

»I would say it’s good to meet you, Quinn, but this is the worst moment of my life.«
That is a very miserable truth. »Same,« I say, disappointed.

— S. 7

Meinung

Dieses Buch, oh man, es hat mich fer­tig ge­macht – im gu­ten und im schlech­ten Sinne. Unter­teilt ist die Ge­schich­te grob in zwei Zeit­spannen: damals und heute. Die Ka­pi­tel wechseln sich mit den Zeit­spannen ab und werden aus Quinns Pers­pek­ti­ve er­zählt. Die­ser Wechsel ist ein sehr ge­schick­tes und ab­so­lut wirkungs­volles Stil­mittel von Colleen Hoo­ver. Das Damals ist glänzend, hei­ter und voller Le­bens­freude. Das Heute ist fins­ter, er­schütternd und un­end­lich trau­rig. In we­ni­gen Jah­ren kann so viel passie­ren, das ver­deut­licht All your perfects mehr als ge­nug. Für mich war das Le­sen ein ein­zi­ges Auf und Ab. Als Leser freust du dich mit Quinn und Gra­ham, ver­liebst dich neu und hast un­end­lich viel Spaß. Und im nächsten Ka­pi­tel? Ja, da ist alles ganz anders …

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Quinn als Protagonistin

Ich gebe zu, ich hatte hin und wieder eini­ge Proble­me mit Quinn. Sie kann eine sehr schwie­rige Per­son sein. In dem Heute ist das mehr als ver­ständ­lich, in dem Damals nicht un­be­dingt. Hin und wie­der hatte ich das Ge­fühl, sie sei eine Diva und wür­de am liebsten wie eine Prin­zessin be­han­delt werden. Für mich ließ sie das ein we­nig in der Be­liebt­heit­skala sinken, aber ihr Cha­rak­ter ist dennoch lei­den­schaft­lich und guten Her­zens, wes­halb ich sie mochte.

But nowhere in that jeweler’s explanation did he say the ring symbolizes happiness. Just eternal love. The problem is, love and happiness are not concordant. One can exist without the other.

— S. 18

Mir hat es auch ge­fallen, wie roh Quinn dem Leser an ihrem Le­ben teil­ha­ben lässt. Teil­wei­se war es so gro­tesk ehr­lich, dass ich nicht mehr lesen konnte. Ich habe ihre Ge­fühle so in­ten­siv ge­spürt und war mit ihr ge­mein­sam am Bo­den zer­stört. Un­ge­fähr in der Mitte der Ge­schich­te passiert et­was, das man zwar hätte er­ahnen können, mit dem ich aber über­haupt nicht ge­rech­net habe. Ich war ab­so­lut scho­ckiert und un­end­lich ent­täuscht. Ab die­sem Mo­ment konnte ich das Buch nicht mehr ohne Taschen­tü­cher lesen.

I realize now that sometimes two people can lose their hope or their desire or their happiness, but losing all those things doesn’t mean you’ve lost. We haven’t lost yet, Quinn.

— S. 277

Dass Quinn als Er­zähle­rin solche Emo­tionen in mir hervor­ru­fen kann, finde ich fa­bel­haft. In meinen Au­gen stellen leben­di­ge Cha­rak­tere, de­ren Ge­schich­ten mich be­rühren, das Fun­da­ment für eine ge­lunge­ne Ge­schich­te dar. Quinn ist de­fini­tiv eine die­ser Er­zähl­figu­ren. Er­gänzt sei na­tür­lich, dass Quinn nie­mals eine so rei­zen­de Pro­tago­nis­tin ge­wor­den wäre, wäre da nicht Colleen Hoo­ver und ihr Ta­lent für das ge­schrie­be­ne Wort. Ich kann es ja nur immer wie­der be­to­nen: Colleen Hoover schreibt ein­ma­lig und un­glaub­lich ergreifend. Colleen Hoover findet für jede Si­tua­tion die rich­ti­gen Worte, um eine gewisse At­mosphä­re zu er­zeu­gen und etwas im Leser her­vor­zu­rufen. Und mein Gott, was hat All your perfects in mir her­vor­ge­rufen. Ich habe aus die­sem Buch so viel mit­ge­nommen, auch wenn ich hoffe, nie­mals in eine Si­tua­tion wie Quinn und Graham zu kommen.

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Die neue Colleen Hoover

Das erste Buch, das ich von Colleen Hoover ge­le­sen habe, war Slammed. Ich mochte die­ses Buch sehr. Ich moch­te auch ihre ande­ren Ge­schich­ten ger­ne, wie Hopeless oder Maybe Someday. Diese konnten zwar nicht mit Slammed mit­halten, aber ich finde trotz­dem, dass es schö­ne Bücher sind. Colleen Hoo­vers High­lights sind für mich aber die Ro­mane der letz­ten Jah­re, an­ge­fan­gen mit Ugly Love, Novem­ber 9 und vor allem It ends with us. Es wirkt fast als hätte Colleen Hoover sich selbst und ihre Bücher neu ent­deckt. Und das merkt man auch in All your perfects. Colleen Hoover spricht so roh und ehr­lich über rea­le Themen, die je­den be­treffen können.

My imagination isn’t as wild as yours, as evidenced by the things you dream about. But writing a letter to you about how much I love you should come pretty easily, so hopefully this letter and this gift to you will serve its purpose.

— S. 256

Es sind die Themen, die je­den be­schäf­ti­gen und zum Nach­den­ken an­re­gen. Man ge­rät ins Grübeln und ich finde es toll, dass man dies tut. Wenn man selbst nicht be­troffen ist, setzt man sich in den meis­ten Fällen näm­lich viel zu we­nig mit die­sen The­men aus­einan­der und kann sich gar kei­nen Ein­druck da­von machen, wie sich Be­troffe­ne füh­len. Mir ge­fällt diese neue Colleen Hoover. Diese neue Auto­rin, die nicht mehr von Nach­bar­schafts­lie­be spricht und die ihren Figu­ren trotz gro­ßer Tra­gik immer noch eine Art Happy End ver­leiht. »Eine Art Happy End«, weil es nicht das typi­sche Happy End ist, das man er­war­tet. Es ist nie das ulti­ma­tive Happy End, aber es ist eins, das den Charak­te­ren (und Lesern) Hoff­nung und Zu­ver­sicht gibt.

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Man braucht keine Bad Boys

Ich habe ein gro­ßes Problem mit den männ­li­chen Haupt­figu­ren in vielen Lie­bes­roma­nen, die der­zeit ver­öffent­licht wer­den. Es sind die Ste­reo­typen, die mich stören. Dass es meistens Bad Boys mit einer großen Klappe sind, dass sie Frau­en oft­mals wie etwas Min­der­werti­ges be­handeln, domi­nant sind, kei­ne Ge­fühle zu­lassen oder immer nur auf Sex aus sind. Mit All your perfects zeigt Colleen Hoover, dass die­se Attri­bute nicht nö­tig sind, um einen komplexen und über­aus inte­ressan­ten männ­li­chen Pro­tago­nis­ten zu er­schaffen. Gra­ham ist char­mant, liebe­voll, klug und ein­fach nur zum Nieder­knien ko­misch.

I’m like Hotel California. You can love Graham any time you like, but you can never leave.

— S. 255

Chaosgedanken

Normalerweise struk­turie­re ich meine Re­zen­sionen immer rela­tiv durch­dacht und ordne mei­ne Ge­dan­ken in Zwi­schen­über­schrif­ten. Das ver­bessert die Les­bar­keit mei­ner Texte, gibt Struk­tur und Ord­nung; alles Dinge, die ich mag. Bei All your perfects muss es bei den jetzigen Zwi­schen­über­schrif­ten blei­ben, weil ich ein­fach nicht mehr sagen kann. Bei diesem Buch ist es ähnlich wie bei It ends with us – es wird ein sehr sen­sibles The­ma an­ge­spro­chen, bei dem man hofft, sich nie­mals mit ihm aus­einan­der setzen zu müssen. All your perfects macht den Leser glück­lich, un­end­lich trau­rig und regt zum Nach­denken an. Ich habe mein eige­nes Leben immer wie­der re­flek­tiert, mich ge­fragt, wie ich in einer sol­chen Situ­ation rea­gie­ren würde und ob mein Liebster und ich einen Kon­flikt die­ser Art meis­tern wür­den.

»I didn’t want you to fall in love with me because of fate,« he says, closing the box. »I wanted you to fall in love with me simply because you couldn’t help yourself.«

— S. 290

In diesem Buch geht es um die gro­ße Liebe. Aber es ist keine Lie­bes­ge­schich­te der typi­schen Art, in der sich zwei Figu­ren in­einan­der ver­lie­ben und am Ende des Ro­mans end­lich zu­sammen­kommen und glück­lich sind. Ei­ner­seits zwar schon, denn wir er­le­ben in dem Damals das erste Be­ziehungs­jahr von Quinn und Gra­ham: all die Lie­be und all ihr Glück. Ihre Lie­be gleicht einem einzi­gen Sommer­nachts­traum – wäre da nicht der dunkle Schatten des Heute. So ge­sehen geht es näm­lich viel mehr um die Stra­pa­zen und Sor­gen, die die Liebe mit sich brin­gen kann und die Art, wie man mit solch schwer­wiegen­den Proble­men um­geht. Hinter jeder glück­li­chen Seite des Damals lauert das fins­te­re Heute. Man freut sich so sehr mit den bei­den und ist gleich­zei­tig un­end­lich trau­rig, weil man ganz klar weiß, dass ihre Freu­de nicht ewig an­hal­ten wird.

Ist dieses Buch lesens­wert? Ja. Kann ich dieses Buch je­dem ans Herz legen? Auf jeden Fall. Ich bin be­geis­tert, ich finde es toll, es lohnt sich. Auch wenn man vie­le trau­rige Mo­men­te mit Quinn und Gra­ham er­lebt, lohnt es sich.

Intim, roh, herzzerreißend. Ein Buch, das mich so sehr weinen ließ, dass ich es zwischenzeitlich beiseite legen musste. Die Geschichte von Quinn und Graham traf mich mitten ins Herz und ich denke, es wird für die Romane, die ich in Zukunft lese, nicht leicht sein, emotional mit dieser Geschichte mithalten zu können.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Colleen Hoover – All your perfects – Atria Books – 2018 – 320 Seiten – 11,09 €

Bewertung

Eine absolute Leseempfehlung. Den Punkt Abzug bekommt »All your perfects« lediglich, weil ich für ein gutes Drittel einige Probleme mit Quinn als Figur hatte.

— Janika
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