Kristen Ciccarelli –
Iskari: Der Sturm naht

Hallo ihr Lieben, in den ver­gan­ge­nen Wochen habe ich oft das Ge­fühl ge­habt, dass mich kein Buch wirk­lich be­geis­tern konnte. Es gab keinen Ro­man, der mich richtig in Lese­stimmung ver­setz­te – dass ich nur noch mit einem Buch vor der Nase durch die Welt spa­zie­ren möch­te. Umso mehr freue ich mich da­rü­ber, euch heute ein ab­so­lu­tes Her­zens­buch vor­zu­stellen. Ein Buch, das mich wirk­lich in allen Punk­ten über­zeu­gen konnte. Heute stelle ich euch Iskari von Kristen Cicca­relli vor. Dazu sei ge­sagt, dass die­se Re­zen­sion Spoi­ler ent­hält. Ich habe ver­sucht, sie so gut es geht zu um­gehen, aber ich habe es nicht ganz ge­schafft.

Meinen herzlichen Dank auch an Heyne fliegt und das Blogger­por­tal, die mir ein Lese­exem­plar für eine Buch­be­spre­chung ge­stellt haben.

Kurzbeschreibung

Asha ist die Prin­zessin von Fir­gaard. Als Prin­zessin sollte sie vom Volk ge­liebt und ge­schätzt wer­den, doch Asha ist kei­nes­wegs eine nor­male Prin­zessin. Sie ist die Is­kari des Kö­nigs – eine Person, die den Tod bringt. Den Tod für Dra­chen. Bei­nahe täg­lich geht sie auf die Jagd nach den ge­fürch­te­ten Mons­tern, die die Stadt und seine Ein­woh­ner be­dro­hen. Asha ist mit dem grau­sa­men Komman­dan­ten Ja­rek ver­lobt, doch ihr Vater bie­tet ihr einen Aus­weg aus der un­güns­ti­gen Ver­lo­bung. Sie soll den ersten Dra­chen Kozu töten, dann ist sie frei. Doch Kozu und Asha ver­bin­det eine ge­mein­same Ver­gan­gen­heit und dass die Drachen sich gegen ihre Rei­ter ge­rich­tet ha­ben war nicht immer so. Asha be­gibt sich auf die Jagd und lernt da­bei nicht nur sich selbst kennen, sondern auch die wah­re Ge­schich­te ihres Landes …

Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich für schlecht gehalten, für verdorben und zur Sühne verpflichtet. Jetzt schoss ihr ein zutiefst erschütternder Gedanke durch den Kopf. Was, wenn ich das alles gar nicht bin?

— S. 270

Meinung

Ich weiß ehr­lich gesagt gar nicht, wo ich an­fan­gen soll. Viel­leicht mit dem wun­der­schönen Cover? Alles an diesem Buch ist erst­klassig und ich war­ne euch vor: Ver­mut­lich wird diese Buch­be­spre­chung ein ein­zi­ger Lob­ge­sang, denn ich bin hin und weg von die­sem Ro­man.

Handlung

Die Handlung ist von Be­ginn an spannend, weil der Leser di­rekt im Ge­schehen ist. Von Seite zu Seite zieht Iskari den Leser mehr in seinen Bann, es wird immer spannen­der, kom­ple­xer und ver­worre­ner. Au­ßer­dem weiß Iskari immer wieder mit Über­ra­chun­gen zu punk­ten. Ab der Mitte hatte ich ein ziem­lich ge­fes­tig­tes Bild in meinem Kopf, wie der Roman enden wird. Doch es kam ganz anders und der Weg, den Kristen Cicca­relli ein­ge­schla­gen ist, ist so viel schö­ner als meiner es ge­we­sen wäre.

Ein kleines High­light ist beim Lesen auch, dass sie auf Hin­weise ein­geht, die in der ersten Häl­fte wie neben­bei ein­ge­baut sind. So­was mag ich immer gerne, weil sich an ihnen ab­zeich­net, wie sehr der Au­tor die Ge­schich­te durch­dacht hat. Aus einem klei­nen Neben­satz ent­wi­ckelt Kristen Cicca­relli zwei­hun­dert Seiten später einen groß­arti­gen Hand­lungs­strang.

Auch ge­lun­gen fand ich das Ende. Es hat näm­lich keinen mie­sen Cliff­hanger, der ja eigent­lich eher ty­pisch für Buch­reihen ist. Iskari endet jedoch ange­nehm. Man weiß, wo die Fi­gu­ren stehen, kann er­ahnen, wohin sich der nächste Band bewe­gen wird. Ich hätte auch einfach so wei­ter­lesen können, aber ich finde, dass es ein wunder­schö­nes Ende ist, welches die Lust auf die Fort­setzung weckt. Die Ge­schich­te ist stimmig ab­ge­schlossen und man kann das Ende ver­kraften.

kristen-ciccarelli-iskari

Tiefgang und Authentizität

Die Welt von Asha ist eine voller Mythen und Sagen. Beim Lesen habe ich immer ein Bild von Tau­send­und­eine Nacht vor Augen gehabt – Wüs­ten, Pal­men und sandige Stra­ßen. Und auch mit von der Partie: Drachen. Doch die Welt ist nicht so rosig und ver­träumt, wie es scheint. Einst waren die Dra­chen treue Be­glei­ter der Menschen und wichen kaum von ihrer Seite. Dann ge­schah der Bruch. Wieso sich die Dra­chen auf einmal gegen ihre Reiter stellen? Die wahren Gründe sind Asha zu­nächst gar nicht be­kannt und dies ist ein Aspekt, der mir sehr ge­fallen hat. Als Leser be­ge­ben wir uns mit Asha ge­mein­sam auf die Suche nach der Wahr­heit, die sich Stück für Stück offen­bart.

Drachen lieben gute Ge­schich­ten und Asha kennt sie alle. Die ver­fluch­ten, alten Ge­schich­ten, die dem Ge­schich­ten­erzäh­ler nach und nach schaden. Die ihn krank­machen und letzten Endes den Tod brin­gen. Nur nicht der Is­kari. Sie kann die Ge­schich­ten er­zäh­len, lockt Drachen mit ihnen an, um sie zu töten. In kurzen Zwi­schen­kapi­teln werden diese Ge­schich­ten auch dem Leser be­rich­tet. Dabei haben sie stets einen Bezug auf die Rah­men­hand­lung und sind gleich­zeitig so ver­fasst, als wären sie einem Mär­chen ent­sprun­gen. Diese Mischung ge­noss ich abso­lut.

In einem der fünf großen Häuser jenseits des Sandmeeres lebte Amina, eine Tochter des Hauses der Sterne. Amina sollte die Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen sein, zwischen dem weiten Buschland und einer Welt gepflasterter Gassen.

— S. 146

Die Geschichten runden die Haupt­hand­lung ab und lassen sie authen­tisch wir­ken. Sie ver­lei­hen Iskari Tief­gang und man be­ginnt rasch, Ashas Rea­li­tät zu hin­ter­fra­gen. Sie er­zählt die Ge­schich­ten, aber als Leser geht man die Ge­schich­ten anders an und es ist un­glaub­lich faszi­nie­rend zu lesen, wie Asha die Rea­li­tät eben­falls immer mehr in Frage stellt, mehr an die Ge­schich­ten glaubt und sich ihre Wirk­lich­keit neu zu­sammen­bastelt.

Ausdruck und Sprache

Ab sofort bin ich ein großer Fan von Cicca­rellis Wort­wahl. Ihr ge­lingt es her­vor­ragend, Stimmungen zu trans­por­tie­ren und Spannung auf­zu­bauen. Es gab so viele Stellen, die mir eine Gänse­haut ver­pass­ten und mir Tränen in die Au­gen zau­ber­ten – mal vor Glück, mal vor Trauer. Der Schreib­stil ist ein­fach nur mit­rei­ßend und es herrscht eine spannungs­ge­la­dene Atmos­phäre, die sich durch den ge­sam­ten Band zieht. Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl, di­rekt an Ashas Seite zu stehen. Ich war immer bei ihr und hatte ein ge­nau­es Bild von der Um­ge­bung, der Stimmung und den Fi­gu­ren vor Augen. Hut ab für diesen an­schau­lichen und wunder­schö­nen Schreib­stil.

Die Straßen waren nicht breiter als ein Eselskarren, und obwohl Asha nicht einmal in die Nähe des größten Markts der Stadt kam, drängten sich Verkaufsstände entlang der Wände. Berge von Safran, Anis und Paprika türmten sich auf groben Jutesäcken. Der stechende Duft von Leder wehte aus Schusterbuden. Leuchtend bunte Sabra-Seide bauschte sich in der Brise.

— S. 80

kristen-ciccarelli-iskari-der-sturm-naht

Charaktere & Diversität

Asha ist in meinen Augen eine sehr inte­ressan­te Figur. Sie ist von sich selbst über­zeugt und weiß, was sie kann. Gleich­zei­tig sieht sie aber auch ihre Schwä­chen und hält sich selbst für einen bö­sen und ver­dor­be­nen Menschen. Sie kann der Welt nichts Gu­tes brin­gen, außer sie von den Dra­chen zu befreien. Sie bringt den Tod, sie ist die Is­kari. Asha lässt sich nicht schnell unter­krie­gen und hat einen star­ken Willen. Das hat mir echt gut ge­fallen, gera­de weil sie so fa­cetten­reich ist. In der einen Se­kun­de ist Asha das starke, toughe Mädchen und in der anderen fragt man sich, wo all ihre Selbst­zwei­fel und dunk­len Ge­dan­ken her­kommen. Sie war für mich eine groß­arti­ge Pro­ta­gonis­tin.

Doch auch die anderen Fi­gu­ren wissen zu über­zeu­gen. Jeder Cha­rak­ter in Iskari hat eine Stimme er­halten und weiß mit unter­schied­lichs­ten Eigen­schaf­ten zu punkten. Jarek, der per­fekte Böse­wicht. Ashas Vater – der König –, der jedes Wort mit Be­dacht wählt. Ashas Bruder Dax, der so viel mehr ist, als man glaubt. Safira, die Cou­sine und beste Freun­din von Asha, die immer zu ihr steht und ihr den Rü­cken stärkt. Und na­tür­lich der Skla­ve Torwin, den man einfach nur ins Herz schlie­ßen und lieb haben muss.

ciccarelli-iskari-der-sturm-nahtDie Drachen

Die Drachen spielen in dieser Ge­schich­te eine sehr große Rolle, auch wenn sie nicht immer prä­sent sind. Gerade in dem ersten Drittel dachte ich, dass doch jetzt auch mal ein Drache in Er­schei­nung treten kann, immer­hin spre­chen alle von ihnen. Sie spie­len eine enorm große Rolle im Leben der Figuren und prägen es maß­geb­lich. Kristen Cicca­relli hat die Drachen, wie ich finde, äußerst ge­schickt in die Hand­lung ein­ge­wo­ben. Gera­de weil sie nicht immer mit dabei sind. Doch als Leser weiß man, dass die Drachen nie fern sind. Sie lau­ern hinter den Stadt­mauern.

Es gibt eine Stelle in Iskari, die mich un­glaub­lich be­wegt hat. Asha ist gerade dabei, he­raus­zu­finden, dass die Dra­chen im Grunde immer noch ein gu­tes Wesen haben und nicht durch­weg böse sind. Sie er­zählt einem Dra­chen eine Ge­schich­te und als sie endet, be­nimmt sich der Dra­che etwas eigen­artig. Er sucht die Körper­nähe zu Asha, stupst gegen sie und mit der Be­rüh­rung knüpft er ein Band zu ihr, um ihr Bilder zu schicken. Um als Danke­schön auch ihr eine Ge­schich­te in Form von Bildern zu er­zäh­len. Wie süß ist das bitte?

Acht Jahre hatten sie vergessen lassen, dass Drachen fast genauso gern Geschichten erzählten, wie sie welche hörten. Asha zwang sich, sich im Geiste zurückzuversetzen in die Jahre, die sie mit Drachen verbracht hatte, statt im Kampf gegen sie. Kozu war ein ganz wunderbarer Geschichtenerzähler gewesen.

— S. 176

Die Liebesgeschichte (Spoiler)

Dass Jarek und Asha nicht zu­sammen­gehö­ren, wird auf den ers­ten Seiten von Iskari mehr als deut­lich. Die Ver­lo­bung der bei­den ist eine, die die Stadt Fir­gaard stärken soll. Die dem König­reich gut­tut und keinem anderen. Doch Asha bekommt auch ihre Lie­bes­geschich­te. Sie ver­liebt sich in den Skla­ven Tor­win und, oh man – ich kriege Tränen in die Augen, wenn ich an die zwei und ihre Ge­füh­le denke. Für Tor­win ist es Schick­sal, für Asha ist es schwie­ri­ger. Eigent­lich ist es für beide schwie­rig, denn wo geht die Kom­bina­tion Sklave und Prin­zessin einmal gut? Die Liebe zwi­schen den beiden be­ginnt ganz zart. Tor­win träum­te schon immer von der un­erreich­ba­ren Asha und für ihn geht im wahrs­ten Sinne ein Traum in Er­füllung, als sie ihn be­merkt – auch wenn dies eher auf un­schö­ne Art ge­schieht.

»Es geht darin immer um dich«, flüsterte er. Die Worte wanden sich um ihr Herz und drückten zu.

— S. 332

kristen-ciccarelli-iskari-der-sturm-naht

Es beginnt ein Hin und Her. Einer­seits empfin­det Asha etwas für Tor­win – was genau es ist, weiß sie zu Be­ginn selbst nicht –, aber sie möchte un­be­dingt, dass es ihm gut ist. Und es kann Tor­win nicht gut gehen, wenn er bei der ge­fürch­te­ten Is­kari ist. Asha will, dass er in Sicher­heit ist und ein gutes Le­ben füh­ren kann. Er soll nach all den grau­sa­men Jahren als Sklave end­lich frei sein. Und dass sie ihn liebt, möchte sie sich gar nicht ein­ge­stehen. Immer­hin ist diese Ver­bin­dung mehr als zum Schei­tern ver­ur­teilt, denn die Ge­schich­ten lehr­ten sie, dass eine Liebe zwi­schen Sklave und Adliger den Tod bringt. Außer­dem ist Asha die ge­zeich­ne­te Is­kari und ihr wurde jah­re­lang gezeigt, dass man je­man­den wie sie nicht lie­ben könnte.

»Habt Ihr eine Ahnung, wie herzlos Ihr seid?« Die Worte brannten in ihrem Inneren. Das sollten sie nicht, denn natürlich wusste sie das längst. Sie war schlimmer als herzlos; ihr Herz war eine verdorrte Hülle.

— S. 217

Als Leser bangt man die ganze Zeit um Asha und Torwin. Man möchte so sehr, dass Asha ihr Herz öffnet und sie irgend­wie einen Weg zu­einan­der finden. Die Lie­bes­ge­schich­te bahnt sich ganz lang­sam einen Weg und ent­wickelt sich so wunder­schön, wie ich es sel­ten ge­le­sen habe. Es ist ein­fach diese zarte Liebe und nicht die Liebe auf den ersten Blick. Das mag ich sehr gerne. Einen gro­ßen Plus­punkt gibt es für die we­ni­gen ro­an­ti­schen Passagen in Iskari.

»Iskari« ist mein bisheriges Jahreshighlight 2018. Es ist frisch und außergewöhnlich, unglaublich spannend und emotional. Zudem überzeugt der Roman mit extrem durchdachten Figuren und einem enormen Hintergrundwissen. So macht Literatur Spaß!

Janika Zeilenwanderer Signatur

Bewertung

Eine absolute Leseempfehlung meinerseits. Dieses Buch hat alles, was ich mir von einem Buch wünsche und ich hoffe, ich gerate nun nicht in einen allzu großen Book-Hangover.

— Janika
2 comments
4 likes
Letzter Post: Das Wunder, das(s) du lebstNächster Post: Literarische Weltreise 2018
April bis Juni

Related posts

Comments

  • AlinaKunterbunt

    Juni 28, 2018 at 21:16
    Antworten

    Liebe Janika, es freut mich so sehr, Iskari hier auf deinem Blog zu sehen und dann auch noch zu lesen, dass du das Buch so geliebt hast! Ich bin ein riesen Fan von der Geschichte und warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung! Iskari war letztes Jahr mein absolutes Lesehighlight, eines der […] Read MoreLiebe Janika, es freut mich so sehr, Iskari hier auf deinem Blog zu sehen und dann auch noch zu lesen, dass du das Buch so geliebt hast! Ich bin ein riesen Fan von der Geschichte und warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung! Iskari war letztes Jahr mein absolutes Lesehighlight, eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe! Read Less

    • Janika
      to AlinaKunterbunt

      Juli 3, 2018 at 13:21
      Antworten

      Liebe Alina, ich freue mich selbst auch so sehr darüber. Ich liebe die Geschichte und freue mich unglaublich auf die Fortsetzung! Genauso geht es mir auch

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über mich
Janika Mielke Portrait

Hallo und herzlich willkommen auf Zeilenwanderer. Ich bin Janika und schreibe hier über Literatur und mehr. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken! Mehr über mich

Aktuelle Lektüre


Sara Raasch – Snow Like Ashes

Sara Raasch – Snow Like Ashes

Blog abonnieren

Ihr wollt mir via WordPress Reader folgen? Nichts leichter als das! Einfach Zeilenwanderer in das Suchfeld eingeben und abonnieren.

Oder ihr klickt auf diesen Link Zeilenwanderer, um direkt zu abonnieren (Eine Weiterleitung erfolgt nur, wenn ihr über WordPress angemeldet seid).

Aktuelle Beiträge
Instagram
Beliebte Beiträge
Archiv
Gut zu wissen

Rezensionsexemplare erhalte ich im Austausch gegen eine Rezension. Meine Meinung bleibt dabei jedoch immer ehrlich und unverfälscht.

Mit einem Klick auf die auf Zeilenwanderer verwendeten Links (wie bspw. Instagram) werden Daten an die Server der entsprechenden Seiten gesendet und verlassen damit diese Seite.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr hier und hier