Bremen. Nicht Kiel.

Nach dem Abitur und einem Auslandsjahr in Irland war vieles unklar. Eines stand jedoch früh fest: Ich wollte studieren. Die Frage war jedoch, wo. Meine Bewerbungen schickte ich an sämtliche Universitäten in Hamburg und Schleswig Holstein. Und eine an die Bremer Universität. Im Gegensatz zu allen anderen Städten war Bremen die einzige, die ich noch nie besucht hatte und die, die am weitesten von meinem Heimatdorf entfernt war. Ein vollkommen fremder Ort ohne bekannte Gesichter und über zweihundert Kilometer entfernt von allen Menschen, die mir lieb waren. Als dann aber Zusage um Zusage einflog und eine Absage aus Bremen, war schnell klar, dass ich für das Studium im hohen Norden bleiben würde. 

Kiel. Es sollte nach Kiel gehen, jedoch nicht weil mich die Universität oder die Fächer besonders ansprachen, sondern weil viele Freunde aus Kiel kamen. Die Stadt war etwas Vertrautes und für mich eine angenehmere Alternative als Flensburg, Hamburg oder die restlichen norddeutschen Städte mit Hochschulen. Durch organisatorische Angelegenheiten verzögerte sich die Immatrikulation jedoch, so dass ich längere Zeit nicht fest eingeschrieben wurde. Und dann — zwei Wochen vor Semesterbeginn erhielt ich durch das Nachrückverfahren doch noch eine Zusage aus Bremen. Von da an war es entschieden: Kiel war vergessen, ich würde ins fremde Bremen ziehen. Für mich war Bremen damals ein vollkommener Neubeginn und ein Wagnis, doch das Bauchgefühl stimmte. Ich wusste, tief in meinem Inneren, dass sich Bremen richtig anfühlt.

In den sechs Jahren an der Universität Bremen erlebte ich unfassbar viel und ohne diese Stadt, zig Umzüge und gefühlten fünfhundert neuen Gesichtern wäre ich heute nicht die Person, die ich bin.

Ich würde jetzt nicht mit meinem Liebsten in einem Reihenhaus leben. Hätte ihn womöglich gar nicht kennengelernt, und das, obwohl ich mir mein Leben heute nicht mehr ohne ihn vorstellen kann. Lieb gewonnene Freunde hätte ich eventuell niemals getroffen. Ich wäre vermutlich nicht so früh von meinem Elternhaus ausgezogen, ich wäre nicht so schnell erwachsen geworden, hätte nicht gelernt früh auf eigenen Füßen zu stehen. Ich hätte nicht den grandiosen Job, den ich nun ausübe und dieses fantastische Team, das mich tagtäglich umgibt. Meinen alten Freundeskreis hätte ich heute wohl noch. Jetzt habe ich ihn größtenteils auch noch und einen weiteren gleich dazu. Ich sehe meine Familie und Freunde aus dem Norden nicht so oft wie früher, aber dafür ist jedes Treffen etwas ganz Besonderes.

Kiel hätte auch einige Vorteile gehabt, das gebe ich zu. Ich hätte eventuell etwas weniger Herzschmerz gehabt, meine Familie öfter gesehen und vermutlich um einiges sparsamer gelebt. Hätte, hätte, Fahrradkette… Ich bin froh, dass es damals diese organisatorischen Probleme an der Kieler Universität gab, denn eine erfolgreiche Immatrikulation in Kiel hätte nie zur Folge gehabt, dass ich alleine in die Fremde ziehe.

Das gute Bauchgefühl ist immer noch da.


Der Writing Friday ist ein Projekt, das von der lieben Read Books and Fall in Loveins Leben gerufen wurde. Dabei gibt es für jeden Freitag im Monat ein Thema, zu dem man etwas schreiben darf. Wahr, ausgedacht, lang, kurz, Gedicht oder nicht — das kann sich jeder selbst überlegen; Hauptsache man schreibt. Bei so einem Projekt schließe ich mich gerne an und schaue, was dabei herauskommt. Bitte erwartet hier aber keine hohe Form von Literatur.

Das erste Thema, für das ich mich entschieden habe lautet: Erzähle von einem Moment, der den weiteren Verlauf deines Lebens fundamental hätte verändern können. Und zu diesem Thema weiß ich auch genau, welchen Moment ich wähle, denn über ihn habe ich mir schon so oft Gedanken gemacht. Dieser Text ist quasi eine kleine Gedankensammlung und ein Was wäre wenn…

Janika Zeilenwanderer Signatur

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