Kira Mohn – Show Me the Stars

Ihr Lieben, heute habe ich ein Buch für euch im Gepäck, was ihr sicherlich schon das ein oder andere Mal in den sozialen Medien gesehen habt. Show Me the Stars zieht mit seinem bildschönen Cover allein nämlich die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Wirft man einen Blick auf den Klappentext, scheint sich Kira Mohn auch noch eine großartige Geschichte ausgedacht zu haben. Keine Frage, Janika braucht dieses Buch. Nun habe ich es vor wenigen Wochen gelesen und eine Rezension für euch geschrieben. Viel Spaß also mit dem Beitrag!

Kurzbeschreibung

Liv ist Anfang 20 und hat nach einem erfolgreichen Studium endlich die Aussicht auf eine Karriere im Journalismus. Ein wichtiges Interview läuft jedoch nicht wie erhofft und Liv verliert ihren Job. Ziemlich verzweifelt stößt sie auf eine Anzeige der besonderen Art. Sie bewirbt sich und wenige Wochen später lebt sie in einem Leuchtturm auf einer einsamen Insel vor Irland. Abgesehen von Liv lebt niemand auf der Insel, was für sie perfekt zu sein scheint. Sie möchte den Kopf freikriegen und an ihrer Karriere arbeiten. Wäre da nur nicht Kjer, der ihre Welt ganz schön auf den Kopf stellt …

Es ist wunderschön, und der Gedanke, hier ganz allein zu sein, hat heute nichts Bedrückendes mehr an sich – im Gegenteil: Das ist meine Insel! Mein Leuchtturm! Ich bin die Königin der Welt!

— S. 124

Meinung

Ich habe Show Me the Stars mit der lieben Yvonne gelesen. Der Buddyread startete gut, wenn auch ein wenig holprig. Ich persönlich habe nämlich ziemlich lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Dabei ist Show Me the Stars definitiv ein Wohlfühlbuch. Kommt man einmal in der Geschichte an, wünscht man sich selbst in das wunderschöne Setting und möchte auch auf den Leuchtturm namens Matthew aufpassen.

Handlungsverlauf

Als Leser begleitet man Liv bei ihrem neuen Leben in Irland. Dieses ist ruhig, wirklich ruhig. Die Handlung setzt sich aus vereinzelten Pub-Besuchen und Gesprächen mit Freunden zusammen. Hin und wieder trifft sich Liv auch mit Kjer und den anderen Bewohnern des Ortes. Allgemein hat mich dies angesprochen, allerdings hat es gute einhundert Seiten gebraucht, bis ich an diesem Punkt angekommen bin.

Der grösste Teil der Handlung findet meiner Meinung nach in Livs Kopf statt. Sie denkt viel über ihre Zukunft, ihre Vergangenheit und natürlich Kjer nach. Eine Zeit lang haben mich die langen inneren Monologe gestört, da ich mir einfach etwas mehr Handlung im eigentlichen Sinne gewünscht habe. Dann kam ich aber auf den Geschmack und die beinahe philosophisch wirkende Art des Erzählens war wirklich unterhaltsam.

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Atmosphäre + Ausdruck

Die Beschreibung von Irland hat mir sehr gut gefallen. Ich habe selbst ein Jahr auf der grünen Insel gelebt und durch das Lesen ist mein Fernweh wieder etwas größer geworden. Irland ist ein Land mit ganz besonderem Charme und Kira Mohn findet die richtigen Worte, um das Land, das Leben und die Mentalität der Menschen einzufangen.

Mein Highlight des Romans ist eindeutig der Schreibstil der Autorin. Diese Frau kann einfach schreiben. Nicht nur hat sie für einige Lacher bei mir gesorgt, sie hat auch einfach außergewöhnliche Ideen. Ob Metaphern oder das Gedankenchaos von Liv, Kira Mohn kann den Leser wunderbar mit ihren Worten an die Seiten fesseln.

Als ich vor die Tür trete, bin ich überrascht, wie stürmisch es ist. Geschützt von Matthews dicken Mauern, wirkte das Meer vom Fenster aus sehr viel ruhiger als gestern, doch der Wind lässt die Ärmel meiner Jacke knattern, und obwohl ich mir die Kapuze tief in die Stirn ziehe, fegt er mir immer wieder einzelne Haarsträhnen in die Augen.

— S. 131

Starke Figuren

Kira Mohn versteht es definitiv, sich Figuren auszudenken, die sehr unterschiedlich sind. Wir hätten zunächst einmal unsere Protagonistin Liv, die einerseits sehr direkt ist, andererseits aber auch viel zu viel denkt. Dann gibt es Airin – eine Freundin, wie sie sich jeder wünscht. Zuletzt hätten wir mit Kjer und Ryan noch die zwei Männer der Geschichte.

Beide unterscheiden sich im Wesen sehr, aber haben doch eine Gemeinsamkeit: Sie blieben mir nämlich beide fremd und zu oberflächlich. Optisch konnte ich sie mir gut vorstellen. Vom Charakter her fiel es mir jedoch schwer und gerade der Charakter ist beim Lesen ja das Interessante. Leider haben mir Kjer und Ryan als Figuren beide nicht zugesagt.

Vergiss, was sie zu dir gesagt hat. Wichtig ist, was du willst. Wenn sie etwas für Zeitverschwendung hält, das dir etwas bedeutet, dann wird sie eben kein Teil dieser Erfahrung. Nicht dein Problem.

— S. 144

Liv hingegen fand ich klasse. Auch ihr begegnete ich anfangs mit einiger Skepsis, denn ihr Handeln wirkte auf mich naiv. Allerdings war das nur zu Beginn des Romans so. Im Laufe der Geschichte wuchs mir Liv ans Herz und ich finde, sie ist ein gelungener und mutiger Charakter. Liv hat vor einigem Angst, bekommt es aber hin, sich ihren Ängsten alleine zu stellen. Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand und auch wenn es nicht immer leicht ist, beißt sie die Zähne zusammen, damit sie ihre Ziele erreicht.

Da die Geschichte aus Livs Perspektive erzählt wird, ist man ihren Gedanken sehr nah. Und diese sind wirklich herrlich zu lesen. Ich mochte Livs lustigen Charakter, ihre Art Probleme anzugehen und ihr Gedankenchaos. Ich glaube, jeder kann sich auf eine gewisse Art in Liv wiederfinden.

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Langatmiger Anfang

Das Lesen an sich hat definitiv Spaß gemacht. Allerdings gibt es einen Knackpunkt, was die ersten siebzig bis achtzig Seiten betrifft. Diese dienen meiner Meinung nach nämlich als Einleitung. Für ein Buch, das rund vierhundert Seiten lang ist, ist das viel zu viel. Ich verstehe, dass der Hintergrund eines Charakters beleuchtet werden sollte, aber all das, was man im ersten Viertel erfährt, hätte man auch auf weniger Seiten zusammenfassen können. Mich konnte die Geschichte zu Beginn leider kaum bei der Stange halten. 

Zudem gibt es in der Einleitung ein Thema, welches die gesamte Handlung ins Rollen bringt und Liv sehr beschäftigt. Allerdings wird es im weiteren Handlungsverlauf kaum beachtet. Wie das Ende des Konflikts behandelt wird, finde ich etwas unbefriedigend. Jedoch stärkt eben dieser unbefriedigende Abschluss meine These: Ein kürzerer Einstieg in Show Me the Stars hätte es auch getan.

Charaktere werden in explizite Richtungen gelenkt (Achtung, Spoiler!)

Was mir besonders negativ aufgefallen ist: Gewisse Personen werden grundlos in Schubladen gesteckt. Ein gutes Beispiel dafür sind Ryan und Kjer. Kjer ist die Person, in die sich Liv verliebt. Er ist attraktiv, charmant und quasi ein wandelndes Geheimnis. Liv wird von ihren Freundinnen auf Irland vor Kjer gewarnt: Er lasse niemanden an sich heran und vernasche eine Frau nach der nächsten.

Noch dazu benimmt sich Kjer in Livs Anwesenheit nicht immer so, dass ich ihre Faszination für ihn nachvollziehen konnte. Beispielsweise küsst Kjer bei einem Date mit Liv eine andere Frau. Dieser Kuss geht zwar nicht von ihm aus, er wehrt sich jedoch nicht und nimmt auch keine Stellung dazu. Das Thema wird mit einer halbherzigen Entschuldigung einige Zeit später unter den Tisch gekehrt. Liv ist weiterhin hin und weg von dem attraktiven Iren.

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Ryan hingegen wird von Livs Freundinnen als guter Mensch bezeichnet. Er ist zuvorkommend, hilft Liv, wo er nur kann und hat sich etwas in sie verguckt. Liv gegenüber verhält sich Ryan nicht respektlos, wie es meiner Meinung nach bei Kjer der Fall ist.

Was bei Kjer jedoch als romantisch bezeichnet wird, ist bei Ryan aufdringlich. Livs Meinung über Ryan und seine Taten widersprechen sich. Ihr ist unwohl, wenn Ryan in der Nähe ist, sie hat sogar Angst, als er sie einmal mit einem Besuch überrascht. Liv verhält sich Ryan gegenüber unmöglich und ich muss ehrlich zugeben, dass mich ihr Verhalten wütend gemacht hat. Es soll einfach so rüberkommen, als wäre Ryan der Bösewicht, der sich in Liv verliebt und sich nicht unter Kontrolle hat. Für mich war diese Darstellung einfach nur ein unnötiger Konflikt.

Betrachte ich Ryans Verhalten auf den gesamten Roman, gibt es eine Stelle, an der er Livs Zurückweisung besser hätte aufnehmen können. Sie möchte nicht, dass er auf einen Kaffee mit in den Leuchtturm kommt. Das hätte er schlichtweg hinnehmen können. Liv hätte andererseits aber auch ihren Standpunkt klarmachen können: Sie hat Ryan nicht gesagt, dass sie es nicht möchte, sondern Ausreden gesucht.

Generell finde ich, dass Liv Ryan deutlichere Signale hätte geben können. Wenn sie nicht an ihm interessiert ist, braucht sie sich keine Getränke von ihm ausgeben lassen, muss seine Jacke nicht annehmen, wenn ihr kalt ist, und sich auch nicht von ihm durch die Gegend kutschieren lassen, wenn sie ganz klar weiß, dass er Gefühle für sie hat. Meiner Meinung ist es kein Wunder, dass Ryan sich bei Livs Verhalten Hoffnungen gemacht hat. 

Ryans Verhalten am Ende des Buches ist natürlich unter aller Sau. Das weiß ich, aber vergleicht man Ryan und Kjer gibt es einfach Muster, die mir missfallen. Alles, was Ryan tut, sei es noch so nett und zuvorkommend, wird verteufelt. Kjers Verhalten ist vollkommen in Ordnung. Ich mochte dieses Schubladendenken nicht.

Show Me the Stars ist eine leichte Lektüre, die eine große Sehnsucht nach Irland hervorruft. Die Handlung ist von einer Ruhe geprägt, die sich angenehm auf den Leser auswirkt. Die Geschichte macht Spaß, allerdings fiel mir der Einstieg schwer und ich mochte das Schubladendenken der Protagonistin nicht.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Kira Mohn – Show Me the Stars – Kyss – 2019 – 416 Seiten – 12,99 €

– Herzlichen Dank an den Kyss Verlag für das Bereitstellen des Leseexemplars. –

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  • […] Seit Freitag ist die Rezension zur Geschichte bereits online, also schaut gerne nach, wenn ihr die Buchbesprechung lesen möchtet. Starry Eyes von Jenn Bennett habe ich vorerst pausiert, da mir gerade nicht wirklich nach […]

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