C. E. Bernard –
Palace of Fire: Die Kämpferin

Hallo meine lieben Bücher­freun­de, heute möchte ich euch Palace of Fire von C. E. Ber­nard vor­stellen. Bei diesem Werk han­delt es sich um den fina­len Band einer Tri­lo­gie. Nach­dem mich der erste Teil – Palace of Glass – ziemlich be­geis­tern konnte und Lust auf mehr machte, star­tete ich ge­spannt in den zweiten Teil – Palace of Silk. Dieser ließ mich leider ziem­lich ent­täuscht zu­rück. Dennoch wollte ich wissen, wie die Ge­schichte aus­geht und stürz­te mich auf Palace of Fire. Wie mir das große Fina­le ge­fiel, er­fahrt ihr in dieser Buch­be­spre­chung. Viel Spaß beim Lesen!

Kurzbeschreibung

Nachdem Rea und Prinz Robin alle Vor­kehrun­gen für eine Rebell­ion in Paris und Berlin ge­troffen haben, müssen sie früher als ge­dacht zu­rück nach Eng­land. Dort erwar­tet sie jedoch nicht das, was sie er­wartet haben und Rea sieht sich ge­nötigt, wieder einmal die Rolle der un­schul­digen Hof­dame am Königs­hof anzu­nehmen …

Nach allem, was wir durchgemacht haben, sind wir nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Und eine Gesellschaft, die noch in den Kinderschuhen steckt, braucht nichts dringenderes als Kompromissbereitschaft.

— S. 56

Meinung

Meinun­gen sind unter­schied­lich, das weiß ich, und die Palace Trilo­gie von C. E. Ber­nard wird momen­tan ge­hyped wie kaum eine andere Bücher­rei­he. Dennoch konnte mich der Ab­schluss der Reihe nicht über­zeugen. Der Schreib­stil war mir zu de­tailliert, die Figu­ren, die mir wich­tig waren, treten kaum auf und das Ende ist das wohl un­befrie­digendste Ende, das ich jemals von einer Trilo­gie gele­sen habe … Noch dazu gibt es eini­ge Dinge, die ich als über­aus kri­tisch empfinde, dazu aber zum Schluss mehr.

palace of fire c e bernard

Wo sind all die schönen Figuren?

Dass ich weder ein Fan von Rea noch von Robin bin, ist seit Palace of Silk bekannt. Prinz Robin war bis zum ersten Drittel von Palace of Fire abso­lut kontur­los und fade für mich und die Rolle des futu­risti­schen Robin Hoods, die er auf einmal auf­er­legt bekommt, hat in meinen Augen so gar nicht zu ihm ge­passt. In den ers­ten Bänden der Trilo­gie ist er teil­nahms­los, macht stets alles, was sein Vater von ihm ver­langt und wie aus dem Nichts setzt er sich noch mehr als Rea für seine Mit­menschen ein? Die Wendung ist ja schön und gut, aber ich konnte sie nicht nach­voll­ziehen.

Meine Lieblinge der Reihe sind ein­deutig Liam, Ninon und Blanc. Gerade letz­terer hatte im ersten Band eine prä­sen­te Rolle, was mir gut ge­fallen hat. C. E. Bernard wusste den Roman mit viel­seiti­gen Neben­figu­ren leben­dig zu machen. Auch die Be­ziehung zu Liam fand ich sehr schön. Umso trau­riger war ich, dass sämt­liche Neben­figu­ren von Band zu Band immer mehr in den Hin­ter­grund ge­ra­ten und in Palace of Fire kaum noch auf­treten. Ninon ist noch re­la­tiv häufig im Ge­spräch, aber gerade Blanc habe ich sehr vermisst. Er und seine zwei Kumpanen René und den Comte wuchsen mir ans Herz und ich hätte mir ein wenig mehr Lese­zeit mit ihnen ge­wünscht. Palace of Fire hat den Fokus ein­deu­tig auf den eng­li­schen Pa­last ge­legt und so begeg­net Rea häufiger Mister Gala­had, dem König und der Königin. Die Königin empfand ich da­bei als sehr inte­ressan­te Figur, zu der ich gerne noch mehr er­fahren hätte.

palace trilogie c e bernard

Schreibstil & Aufbau

C. E. Bernard muss man eines lassen: Sie kann mit Wörtern um­gehen und Cliff­hanger wie am laufen­den Band pro­duzie­ren. Jedes Kapitel von Palace of Fire endet enorm stark und weckt die Lese­lust, nicht doch noch ein wei­te­res Kapi­tel zu lesen, auch wenn man die Augen kaum noch offen halten kann. De­tailliert und mit viel Fein­gefühl ent­führt sie die Leser wie­der einmal ins futu­risti­sche Lon­don und hier kommt jeder, der ge­naue Be­schrei­bungen liebt, auf seine Kosten. Das Setting ist wirk­lich wun­der­bar bild­haft und ich kann mir die Reihe sehr gut als Ver­fil­mung vor­stellen, einfach weil die Umge­bung und die Kos­tüme so aus­ge­fallen sind. Für meinen Ge­schmack hätte man sich mit eini­gen Be­schrei­bungen jedoch etwas zu­rückhal­ten können.

Wie eben erwähnt, versteht C. E. Bernard den Umgang mit Cliff­hangern. Jedes Kapitel endet spannend, aber eigent­lich muss man nur die nächste Seite le­sen und es hat sich wieder mit der Spannung. Eine Per­son wird am Ende eines Kapi­tels ange­schossen? Über­lebt sie? Ist sie tot? Wie rea­giert die Person, die ge­schossen hat? Ich hätte mir gewünscht, dass die höchst­drama­ti­schen Kapi­telen­den noch wei­ter aus­ge­baut werden. Dass die Spannung vertieft wird und man länger mit­fie­bert. Leider hatte ich in der Hand­lung das Gefühl, dass Palace of Fire aus vielen kur­zen Zwi­schen­fre­quen­zen be­steht, die zu­fällig auf das Finale hi­naus­laufen, aber eigent­lich nicht not­getan hätten. Und das Finale?

palace of fire c e bernard

Das Ende, das kein Ende ist (Achtung, Spoiler!)

Auf das Ende einer Tri­lo­gie wartet man immer mit viel Spannung. End­lich werden die Schur­ken (hoffent­lich) be­siegt, der große Kon­flikt wird ge­löst und die Leser werden mit den sehn­süchtig erwar­te­ten Ant­worten ver­sorgt. C. E. Ber­nard lässt das Ende in Palace of Fire hin­ge­gen offen und ich habe sel­ten eine Ge­schich­te so frus­triert be­endet. Plant die Autorin noch eine No­velle, die zehn Jahre spä­ter statt­findet und in der die Leser end­lich ihre Ant­worten be­kommen? In meinen Augen hat die Rebell­ion und der Auf­stand erst auf den letzten fünf­zehn bis zwan­zig Seiten des Romans be­gonnen und dann wird die Trilo­gie mitten­drin be­endet?

Das Ende kam voll­kommen ab­rupt und auch wie das Ende ver­fasst ist, ist meiner Meinung nach abso­lut un­befrie­digend. (Achtung, Spoiler!) Was passiert denn jetzt mit dem König, der Königin und Ma­dame Hiver? Wie geht die Rebell­ion aus? Die Feuer­schwes­tern haben ihren Glanz ver­loren? Wie ist das Schick­sal all der Magda­le­nen und übri­gen Menschen in London und der rest­li­chen Welt? Wo­hin haben mich die gut ein­tau­send­fünf­hun­dert Seiten rund um Rea ge­führt? Nirgend­wo­hin. Bis auf dass ein paar Menschen in London de­mon­striert haben und der Prinz kein Prinz mehr ist, hat sich nichts ver­ändert und das sagt mir leider gar nicht zu. Der letzte Satz hat mir dann den Rest gegeben.

Fehlende Triggerwarnungen (Achtung, Spoiler!)

Ich habe mir im Vor­wege dieser Rezen­sion andere Rezen­sionen durch­gele­sen und keine ein­zige entdeckt, in der das erwähnt wird, was ich zu sagen habe. Ich habe das Buch mit Katy und Lisa gelesen und wir drei sind uns alle einig: In diese Reihe gehören Trigger­war­nungen. Da die Trilo­gie zur­zeit so ge­hyped wird, finde ich es per­sön­lich sehr wichtig, dass ab­schlie­ßend gesagt wird, dass in der Palace Trilo­gie extrem roman­ti­siert wird, kri­tische Themen mehr als ver­harm­lost werden und sich vor allem junge Leser da­rüber be­wusst wer­den sollten, dass die ge­schrie­be­nen Worte niemals der Rea­lität ent­spre­chen sollten. Wirklich niemals.

Wovon ich spreche? Der extre­men Demü­ti­gung der Frau, in Form von Ver­gewal­tigun­gen (ange­deute­ten sowie tat­säch­lichen), Abhängigkeiten und kör­per­licher Gewalt. Ich finde es schockie­rend und ein­fach schlimm zu lesen, wie aus­führ­lich Ver­gewal­tigun­gen in Palace of Fire be­schrie­ben werden. Vor allem wenn sie nicht ein­mal rele­vant für den Plot sind und danach abso­lut ver­harm­lost und nicht weiter er­wähnt werden.

palace of fire bernard c e

Sex dient in der auf­geführ­ten Ge­sell­schaft ledig­lich der Fort­pflan­zung, hin und wieder ist eine Ver­gewal­ti­gung aber auch als Kriegs­akt zu ver­stehen und laut Opfer keine gro­ße Sache! Damit meine ich ex­pli­zit die Szene, in der Notting­ham Ninon be­ginnt zu ver­gewal­ti­gen und er darauf­hin von Rea er­schossen wird. Reas Freun­din stand kurz vor einem Miss­brauch und Ninon selbst spielt das total runter, indem sie einer­seits sagt, dass es ein Kriegs­akt sei und ja nichts passiert wäre, denn »Er hat nur mein Kleid zer­rissen. Das wird schon wie­der.« (S. 418), ob­wohl auf der Seite zuvor steht, dass sie ge­kne­belt aus Lei­bes­kräf­ten brüllte, mit ge­spreiz­ten Beinen da­lag und nur noch ein leises Wimmern üb­rig blieb. Für Rea ist das aber eh voll­kommen egal, denn sie fragt Ninon als erstes, ob es Robin gut geht! Ich fasse es echt nicht.

Aber Reas Logik ist für mich eh nicht nach­voll­ziehbar. Sie wurde ja auch von Robin aus­ge­peitscht und er zog sie vor mehre­ren Leuten kom­plett aus. Sie liebt ihn danach trotz­dem. Das Bild, was in der Tri­lo­gie er­zeugt wird, ist so un­glaub­lich gewalt­tätig und bru­tal; und es wird von den Figuren abso­lut ver­harm­lost.

Das Buch wird im Klappen­text als ver­führe­risch be­zeich­net, was es meiner Meinung nach nicht mal an­satz­weise trifft. Rea benutzt ihren Körper seit Buch eins, um ihren Willen durch­zu­setzen, sie wird vor­ge­führt, bloß­ge­stellt, ge­de­mütigt und nun im dritten Band als ab­hängig be­zeichnet. Sie ver­sucht auf die ver­schie­dens­ten Weisen min­destens vier ande­re Figuren mit ihrem Körper zu be­tören – sei das um zu morden, ihren Willen durch­zu­setzen oder weil sie von einer Geis­tes­krank­heit befallen ist – und sorry, für mich war das zu viel und abso­lut wider­wär­tig dar­ge­stellt. Als würde es keine ande­ren Mög­lich­kei­ten geben, Ziele zu er­reichen. Nein, wir Frauen müssen uns frei­willig (!) de­mü­tigen lassen und uns in Dessous Männern her­geben. Diese Stellen im Text fand ich abso­lut kri­tisch und ich finde, dass in diese Reihe eine Trigger­warnung ge­hört. Die Dar­stellung in diesen Büchern ist nicht in Ordnung und man hätte es so viel besser um­setzen können.

So leid es mir tut, kann ich diesen Band der Trilogie – und die Trilogie an sich – nicht wirklich empfehlen. Mich hat die Geschichte nicht gepackt und nachdem man sich durch anstrengende Figuren und ausgeschmückte Sätze gekämpft hat, wird man von dem großen Showdown einfach nur enttäuscht.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: C. E. Bernard – Palace of Fire: Die Kämpferin – übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer – penhaligon – 2018 – 512 Seiten – 14,00 €

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Comments

  • blackndbeautiful

    November 20, 2018 at 11:57
    Antworten

    Hallo liebe Janika, wie versprochen, habe ich nun auch mal bei deiner Rezi vorbeigeschaut. Damals wollte ich sie noch nicht lesen, weil ich Rezis zu Büchern, von denen ich weiß ich lese sie noch, grundsätzlich meide. Also wie schon bei deinem Kommentar auf meiner Seite geschrieben, kann ich das was du kritisierst absolut […] Read MoreHallo liebe Janika, wie versprochen, habe ich nun auch mal bei deiner Rezi vorbeigeschaut. Damals wollte ich sie noch nicht lesen, weil ich Rezis zu Büchern, von denen ich weiß ich lese sie noch, grundsätzlich meide. Also wie schon bei deinem Kommentar auf meiner Seite geschrieben, kann ich das was du kritisierst absolut nachvollziehen. Wobei ich hier sagen muss, dass gerade der Umgang mit den Frauen doch verdeutlicht in was für einer Welt Rea, Ninon und Co. leben und wie ihre Stellung ist. Ich bin absolut deiner Meinung, dass man das nicht verharmlosen darf und Triggerwarnungen angebracht wären. Ich finde das dargestellte Frauenbild keineswegs in Ordnung, aber man muss auch bedenken, dass die Welt in der die Palace-Saga spielt nun mal für unsere Zeit sehr rückschrittlich ist und eher an vergangene Zeiten erinnert. Und da war so ein Frauenbild, leider, normal. Liebe Grüße :) Read Less

    • Janika
      to blackndbeautiful

      November 22, 2018 at 8:32
      Antworten

      Hey, da stimme ich dir zu. Ich denke auch, dass das Frauenbild in der der Palace-Saga ein rückschrittliches gewesen ist. Für mich ist das Problematische hier nur, dass es auch von den Frauen vollkommen akzeptiert und das Bild an den Leser vermittelt wird, dass das so in Ordnung ist und […] Read MoreHey, da stimme ich dir zu. Ich denke auch, dass das Frauenbild in der der Palace-Saga ein rückschrittliches gewesen ist. Für mich ist das Problematische hier nur, dass es auch von den Frauen vollkommen akzeptiert und das Bild an den Leser vermittelt wird, dass das so in Ordnung ist und das man daran nichts ändern sollte. Zumindest waren das meine Eindrücke :) Liebe Grüße, Janika Read Less

  • Zeilentänzerin

    September 19, 2018 at 19:53
    Antworten

    Ich kenne die Bücher vom Stöbern in Buchläden und auf Blogs, sie entsprechen aber nicht meinem Geschmack. Ich finde es großartig, dass du die Triggerwarnungen erwähnst! Das passiert viel zu selten. Zeilentänzerin

    • Janika
      to Zeilentänzerin

      September 22, 2018 at 0:32
      Antworten

      Vielen Dank! Ich finde auch, dass sowas immer angesprochen werden sollte. Vor allem wenn es so extreme Handlungen sind wie in diesem Roman. Alles Liebe, Janika

  • Katy

    September 19, 2018 at 7:19
    Antworten

    Hei Janika Hach, deine Rezi trifft den Nagel einfach auf den Kopf! Danke für den tollen Austausch, und auch wenn wird drei nicht sehr begeistert, sondern eher frustriert die Trilogie beendet haben, Stimme ich Lisa zu; sollte noch eine Novelle kommen, wäre eine weitere Leserunde toll :-* LG Katy / Hauntedcupcake

    • Janika
      to Katy

      September 22, 2018 at 0:28
      Antworten

      Meine liebe, liebe Katy, danke dir! Ich kann mich auch nur für den Austausch bei dir bedenken. Ich liebe unser Dreiergespann bei Leserunden einfach unendlich :) Alles Liebe, Janika

  • Lisa

    September 18, 2018 at 15:11
    Antworten

    Liebe Janika, Du sprichst mir aus der Seele. Wir waren uns ja sehr einig beim Lesen, besonders über das enttäuschende Ende und die Sex-Szenen. Falls aber nochmal eine Novelle rauskommt, bin ich auf jeden Fall dabei bei einer neuen Leserunde ;) Liebe Grüße Lisa

    • Janika
      to Lisa

      September 22, 2018 at 0:22
      Antworten

      Liebe Lisa, das freut mich zu hören. Ich bin froh, dass Katy und wir zwei so ähnliche Ansichten haben. Da hat die Leserunde einfach so viel mehr Spaß gemacht :) Bei einer Novelle wäre ich auch auf jeden Fall mit am Start! Liebe Grüße, Janika

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