C. E. Bernard –
Palace of Glass: Die Wächterin

Hallo, ihr Lieben, heute ist es soweit. Ich rezensiere das erste Buch, auf das ich mich 2018 besonders gefreut habe. Ende März erschien mit Palace of Glass der erste Teil einer Trilogie von C. E. Bernard, die bereits vor Veröffentlichung hoch gelobt und mit den Romanen von Sarah J. Maas verglichen wurde. Die Messlatte lag also ziemlich weit oben. Ob der Roman mich überzeugen konnte, erfahrt ihr nun.

Ich habe Palace of Glass gemeinsam mit Lisa gelesen, was wirklich viel Spaß gemacht hat. Wir haben uns großartig ausgetauscht und Lisas Gedankengänge und Bemerkungen zum Buch fand ich furchtbar interessant. Beim gemeinsamen Lesen fallen einem ja doch immer unterschiedliche Aspekte auf, schaut also unbedingt auch auf ihrem Blog vorbei, um ihre Rezension zu dem Buch zu lesen.

Außerdem nutze ich die Gelegenheit und bedanke mich herzlich beim Bloggerportal und dem penhaligon Verlag, die mir dieses Leseexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellten.

Kurzbeschreibung

London, 2054: Das Leben auf der Welt hat sich verändert. Unter den gewöhnlichen Menschen leben die sogenannten Magdalenen. Menschen, die die Gedanken anderer lesen und manipulieren können. Dies geschieht durch Körperkontakt, weswegen in Großbritannien Berührungen illegal sind und sich jede Person durch Kleidung vor den Magdalenen zu schützen versucht. Rea ist eine Magdalena und versucht ihre Hautgier durch nächtliche Kämpfe zu stillen. Dabei wird sie jedoch entdeckt und gelangt an den Hof des englischen Königs – dem größten Feind der Magdalenen …

Bei einer direkten Frage denkt jeder Mensch vollkommen automatisch an die Wahrheit, dagegen kann man sich nicht wehren. Denken muss man an sie, sie aussprechen nicht unbedingt.

— S. 265

Meinung

Palace of Glass ist für mich ein überaus gelungener Auftakt zur Reihe. Dies liegt mit am Aufbau des Romans. Gerade zu Beginn der Lektüre hatte ich hin und wieder einen Hänger was die Lesemotivation betrifft, doch das änderte sich rasch. C. E. Bernard geht sehr detailliert auf die Londoner Gesellschaft, Etikette und Umgebung ein. Dies ist in dem Sinne gelungen, dass man sich die doch recht befremdliche Zukunft hervorragend vorstellen kann. Sämtliche Hintergrundinformationen werden dem Leser anschaulich erklärt und es ergibt sich ein umfangreiches Gesamtbild Londons. Mir persönlich war es hin und wieder nur einen wenig zu ausführlich und langatmig.

Ausdruck & fiktive Welt

Den Schreibstil der Autorin fand ich jedoch sehr angenehm und ich genoss ihre Art des Schreibens sehr. Palace of Glass liest sich flüssig, ist sehr sachlich gehalten und weist dabei hin und wieder sogar poetische Züge auf. So entsteht rasch ein umfangreiches Bild im Kopf des Lesers – sowohl was das Setting angeht als auch die Figuren selbst. Es macht Spaß dieses Buch zu lesen, weil der Schreibstil so bildhaft ist wie in einem Film. Man kann sich alles hervorragend vorstellen und sich ein detailliertes Bild des futuristischen Londons machen.

c e bernard palace of glass

Dieses futuristische London ist auch in der Tat skurril und zeigt den Einfallsreichtum der Autorin. London ist so anders. Die Technologie hat sich weiterentwickelt und ist, wie bereits jetzt, nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Gleichzeitig hat die Mode des 18. Jahrhunderts den Markt ein weiteres Mal erobert, sodass die Figuren sich mit weiten Kleidern, Handschuhen und Masken schmücken. Der Text wirkt wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und man muss schmunzeln, wenn man dann liest, dass die Figuren ihr Tablet oder Handy aus der Tasche ziehen. Dieser Widerspruch und die Verbindung aus Alt und Neu fand ich sehr gelungen.

Handlung

Im Laufe des Romans spitzt sich die Handlung dann extrem zu. Die langatmigen ersten Kapitel sind fort und stattdessen stürzt man mit Protagonistin Rea von einem Abenteuer ins nächste, befindet sich mit ihr auf der Flucht, versucht ein Rätsel zu lösen und eine Intrige aufzudecken. Plötzlich passiert so unglaublich viel und gerade die letzten einhundert Seiten haben es mir echt angetan. Ich wollte das Buch nicht mehr aus den Händen legen und unbedingt wissen, wie es weitergeht. Auf gefühlt jeder Seite findet eine Kehrtwendung statt und der Roman wusste zu überraschen. Besonders eine Sache hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen und, obwohl man sie hätte erahnen können, kam sie für mich wie aus dem Nichts. Auf einmal hat sich so ein großer Teil des Romans in Luft aufgelöst und ein neuer wichtiger Part trat in den Vordergrund.

Figuren

In Palace of Glass begegnen wir eine breiten Masse an Figuren. Rea und ihrem Bruder Liam, Mr Galahad, die Duchesse Ninon, Blanc – der weiße Ritter und natürlich der königlichen Familie. Was die Figuren betrifft bin ich ein wenig im Zwiespalt. Besonders Liam und Blanc hatten es mir angetan und ich fand ihre Charaktere sehr interessant, leider standen sie in diesem Band der Reihe etwas im Hintergrund und ich hoffe sehr, dass sich das im zweiten Band ändern wird. Die Duchesse fand ich absolut gelungen. Sie ist so anders als die übrigen, teils zugeknöpften Charaktere, und ist bereit, sich gegen die gängigen Normen zu setzen. Sie ist verrucht und lasziv, aber auch schlagfertig und eigentlich ein einziges Geheimnis. Auf welcher Seite steht sie? Welche Absichten hat sie? Ich denke, diese Fragen werden alle im zweiten Band beantwortet und ich bin gespannt, mehr über sie zu erfahren.

Seine Kraft ist überwältigend. Er ist stark, weil er Schwäche kennt, hell, weil er in der Dunkelheit gewandelt ist, schön, weil Hässlichkeit ihn nicht schreckt.

— S. 276

Ich persönlich hatte leider einige Probleme mit Rea und dem Prinzen. Den Prinzen vermag ich nicht wirklich einschätzen zu können. Er ist irgendwie nett? Aber irgendwie auch so stumpf und einfach seltsam. Im ersten Drittel passiert dann auch eine Sache, die er Rea antut und danach war er bei mir leider vollkommen unten durch. Ich finde, als Prinz hätte er sich mehr für Rea einsetzen und ihr das ersparen können, was ihr widerfahren ist. Seine Gefühle waren für mich oberflächlich und nicht nachvollziehbar und ich hoffe, dass Rea ihre Gefühle in den nächsten Bänden auf andere Figuren fokussiert.

Rea & die Liebe

Wobei Rea das in diesem Band ja auch schon tut, denn anscheinend empfindet jede Figur, ob Männlein oder Weiblein, etwas für Rea und für sie ist das vollkommen in Ordnung. Sie lässt sich von dieser Frau berühren, küsst dann einen anderen Mann, lässt sich von dem anderen Kosenamen geben und ist die heimliche Flamme eines anderen. Ich wurde in diesem Punkt nicht mit Rea warm, da ich ihre Gefühle nicht einordnen konnte. Dass sie ihre Hautgier, also das Bedürfnis der Magdalenen andere zu berühren, stillen möchte, habe ich verstanden, aber so wie die Stellen im Buch beschrieben wurden, fand ich sie etwas befremdlich. Und es waren mir schlichtweg zu viele. Die ein oder andere Romanze ist okay, aber in Palace of Glass war es mir einfach zu viel und vor allem zu viel hin und her. Ich wusste nicht, ob es sich bei Rea um Hautgier oder echtes Verlangen handelte. Und wenn es Letzteres war, ist Rea durch ihre Hautgier überhaupt in der Lage, für jemanden aufrichtige Gefühle zu entwickeln? Ich hatte leider immer wieder Probleme mit Rea als Hauptfigur.

Dennoch genoss ich den Roman sehr, was mich ein wenig erstaunte. Normalerweise muss ich mich nämlich zumindest ansatzweise mit dem Protagonisten identifizieren können, damit mich die Geschichte wirklich packt. Doch Palace of Glass überzeugte auch so und das macht mich sehr glücklich. Trotzdem hoffe ich, dass mir Rea im nächsten Band etwas mehr ans Herz wächst. Ich bin optimistisch, dass es auch so sein wird, da ihr im zweiten Band so viel bevorstehen wird. Ich glaube, dass die neuen Erfahrungen, die sie erleben wird, mich näher an sie heranbringen werden und ich bin unglaublich gespannt, wie sich die Geschichte weiterspinnen wird!

Ein spannender Auftakt, der mit vielen Überraschungen zu punkten weiß und der wohl nur als Einleitung zu einer großartigen Trilogie gesehen werden kann. Ich glaube, die Geschichte geht im zweiten Band erst richtig los und nachdem »Palace of Glass« schon klasse war, freue ich mich umso mehr auf »Palace of Silk«!

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Palace of Glass – Die Wächterin von C. E. Bernard – penhaligon – 2018 – 416 Seiten – € 14,00 [D]

Bewertung

Ein atemraubender Auftakt zu einer Trilogie mit viel Potenzial! Fans von gut durchdachten Welten, Intrigen und Romanzen werden hier auf ihre Kosten kommen.

— Janika
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