Colleen Hoover – Regretting You

Ihr Lieben, heute kommt sie endlich: die Re­zen­sion zum neuen Buch von Colleen Hoo­ver. Regretting You ist im De­zem­ber 2019 er­schie­nen und ge­sellt sich zu den Bü­chern in mei­nem Regal, die ei­nen ganz be­sonde­ren Platz in mei­nem Her­zen haben. In­halt­lich ist es ja immer etwas kniff­lig mit den Bü­chern der Auto­rin. Spricht man über den In­halt, liest man den Klappen­text oder fängt blind an? Da ich der Mei­nung bin, dass man ohne gro­ßen Infos zu Colleen Hoovers Bü­chern grei­fen sollte, gibt es die heu­tige Buch­be­spre­chung komplett spoi­ler­frei. Also viel Spaß beim Lesen!

Gedanken zum Buch

Die Bücher von Colleen Hoover haben immer etwas Be­sonde­res an sich, das ich schwer in Worte fassen kann. Etwas, das ich so bei keinem ande­ren Autor oder Auto­rin er­lebt habe. Vielleicht treffen Worte wie Un­voll­kommen­heit, Mensch­lich­keit und Emo­tiona­li­tät das, was die Ge­schich­ten so aus­machen. Gerade wenn ich mir die Ro­mane an­schaue, die in den letz­ten Jah­ren von Colleen Hoo­ver er­schie­nen sind, fällt mir auf, dass ihre Ge­schich­ten immer einen scha­len Bei­ge­schmack haben.

Sie sind immer noch ro­man­tisch und voller Hoff­nung, doch der Schwer­punkt hat sich ver­schoben und es wer­den The­men be­han­delt, die zu­tiefst be­we­gend sind und von denen ich mir je­des Mal er­hoffe, sie nie­mals selbst er­le­ben zu müssen. Es sind schwier­ige The­men. The­men wie häus­li­che Ge­walt, Kin­der­wunsch trotz Un­frucht­bar­keit, Ehe­kri­sen, Ab­hän­gig­kei­ten, Ver­lus­te, … die Lis­te geht ewig wei­ter und ich habe das Ge­fühl, mit je­dem neuen Ro­man öffnet die Au­to­rin eine neue Schub­la­de an Kon­flik­ten. Und ich liebe es. Kaum eine ande­re Auto­rin schafft es, mich mit ih­ren Ro­ma­nen so sehr zu be­we­gen, wie Colleen Hoo­ver es tut. So war es kei­ne Frage, dass ich auch ihren neues­ten Ro­man — Regretting You — le­sen musste.

It’s like we’re living in a nightmare – one where we don’t want to eat or drink or speak. A nightmare where all we want to do is scream, but nothing comes out of our hollow throats.

— S. 75

Neue Abgründe mit Regretting You

Auch mit Regretting You stellt sich Colleen Hoover neu­en Ab­grün­den. Gera­de im ers­ten Drittel der Ge­schich­te war ich ent­setzt da­rü­ber, wie sich Men­schen ver­hal­ten können und wie sie einan­der Schmerz zu­fü­gen können. Und ich war regel­mä­ßig scho­ckiert. Hier auch ganz klar die Empfeh­lung: Schaut euch den Klappen­text nicht an – weder den eng­li­schen noch den deutschen!

Ich habe nach dem Lesen die Klappen­texte der deutschen und engli­schen Aus­gabe ge­le­sen und war ent­setzt, wie viele Spoi­ler sie ent­hal­ten. Vor allem auch Spoi­ler, die ver­hält­nis­mä­ßig spät im Text auf­tau­chen. Ich kann mir gut vor­stellen, dass man sich den Ro­man mit dem Le­sen des Klappen­tex­tes ver­saut, in­dem man sich gro­ße Überra­schungen (zu­min­dest war ich sehr über­rascht) vor­weg­nimmt. Für mich wur­de das Lesen ohne den Klappen­text zu kennen zur reins­ten Ach­ter­bahn der Ge­fühle.

regretting you colleen hoover

Kurz zum Inhalt und Aufbau (keine Spoiler)

Ohne viel vorweg zu nehmen: Regretting You er­zählt die Ge­schich­te der jun­gen Mutter Mor­gan und ihrer Teen­ager­toch­ter Clara. Ich glaube, dies reicht als Zu­sammen­fassung voll­kommen aus. Die Ka­pi­tel werden wechselnd aus Mor­gans und Claras Pers­pek­tive er­zählt, was mir ex­trem gut ge­fallen hat, weil ich die Fi­gu­ren so sehr mochte. Auch wenn bei­de eini­ge ge­mein­same Cha­rak­ter­eigen­schaf­ten be­sitzen — bei Mutter und Toch­ter si­cher­lich kein Wun­der —, unter­schei­den sie sich in ge­wissen Punkten sehr. So wa­ren die Ka­pi­tel stets spannend zu ver­fol­gen und ich war re­gel­mäßig hin und her­ge­rissen, was ich vom Ende eines Ka­pi­tels halten sollte.

War beispiels­weise ein Ka­pi­tel aus Morgans Sicht zu Ende, war mein ers­ter Ge­dan­ke in etwa so: »Nein, wieso? Ich wollte doch noch mehr wissen und er­fah­ren, was jetzt passiert!« Dazu muss ge­sagt wer­den, dass Colleen Hoover ein fie­ses Talent für Cliff­hanger am Ka­pi­tel­ende be­sitzt. Ich las also ein Ka­pi­tel aus Claras Sicht und wwas war mein Ge­dan­ke am Ende des Ka­pi­tels? »Nein, wieso? Ich wollte doch noch mehr wissen und er­fah­ren, was jetzt passiert!« Ihr ver­steht die Pro­ble­ma­tik? Beide Fi­gu­ren waren mir sym­pa­thisch und ich konnte das Ver­hal­ten bei­der gut nach­voll­zie­hen — auch wenn sie oft im Kon­flikt mit­einan­der ste­hen. Das hat Colleen Hoo­ver wirk­lich brillant ge­macht.

I actually started laughing hysterically in the middle of all the screaming. It made me wonder if I was going crazy. That’s how they always depict crazy people on television. Laughing in dire situations, when they should be reacting more appropriately. But all I could do was laugh, because my life is complete and utter shit. It’s shit. It. Is. Shit.

— S. 120

Ausdruck und Gefühl

Wie die ande­ren Ro­mane der Auto­rin, ist auch Regretting You schön ge­schrie­ben. Ich mochte die Wort­wahl, die Satz­länge, die Ge­dan­ken, die die Fi­gu­ren zum Aus­druck brin­gen. Ich kann hier wirk­lich nichts kri­ti­sie­ren, bis auf eine ein­zi­ge Stelle, an der sich ein Fehler bei den Na­men ein­ge­schli­chen hat, der vielleicht für manch einen Leser zu­nächst für Ver­wirrung sor­gen könnte, wenn man noch kei­nen wirk­li­chen Über­blick über alle Na­men und Cha­rak­tere hat. Aber hey, eine Sache in einem Buch kri­ti­sie­ren? Da gibt es schlimmere Fälle.

Das Wichtigste hat Colleen Hoover mit Regretting You aber er­folg­reich ge­schafft: Emo­tio­nen in mir aus­ge­löst. Und zwar am laufen­den Band! Die Ge­schich­te von Mor­gan und Clara hat mich von der ersten bis zur letz­ten Seite ab­ge­holt und ist ein High­light in mei­ner klei­nen Colleen Hoover Samm­lung. Ich habe das Ge­fühl, dass die Auto­rin und ihre Ge­schich­ten von Buch zu Buch rei­fer wer­den und jedes Mal tief­gründi­gere The­men auf­greifen.

regretting you colleen hoover

Ein kleiner Kritikpunkt

Einen kleinen Minus­punkt gibt es je­doch noch. Nach­dem die gro­ßen Schocker im ersten Drittel ver­daut sind, ist das Buch schon arg vor­her­seh­bar. Wirk­lich schlimm fand ich das nicht und es hat mich auch beim Le­sen nicht ge­stört. Viel­mehr war es mit­unter ein War­ten, wann es end­lich passiert und der Punkt, auf den man als Le­ser so sehr ge­war­tet hat, end­lich erreicht ist.

Was bleibt mir also zu sagen? Ich kann euch Regretting You voll und ganz empfeh­len. Colleen Hoover hat für mich ein wei­te­res Mal ein High­light kre­iert und ich bin froh, diese mit­reißen­de Ge­schich­te ge­le­sen zu haben.

Eine neue, überaus emotionale Geschichte, die im typischen Stil der Autorin geschrieben wurde: bewegend, erschütternd und mitreißend. Ich kann euch Regretting You sehr ans Herz legen.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Colleen Hoover – Regretting You – Montlake – 2019 – 365 Seiten – 11,59 €

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