Katharina Mittmann – Campus Love: Kayla und Jason

Ihr Lieben, die Frank­fur­ter Buch­messe liegt schon ein paar Tage hin­ter uns, doch von den Bü­chern, die ich mir dort ge­kauft habe, habe ich euch noch gar nichts er­zählt. Das ändert sich heute mit meiner Buch­be­spre­chung zu Campus Love: Kayla & Jason von Katha­rina Mitt­mann. Meine Reise zu­rück in die Schweiz war nicht gera­de kurz und so hatte ich Campus Love am Ende der Fahrt be­reits zu mehr als der Hälfte durch. Weni­ge Stun­den spä­ter – am Mor­gen des nächsten Tages – war die Ge­schich­te be­reits beendet. Book­hang­over inklu­si­ve! Viel Spaß mit der Re­zension.

Kurzbeschreibung

Kayla hat es geschafft und ein Voll­sti­pen­dium für die Brown be­kommen. Ihr Zimmer teilt sie sich mit Rachel, de­ren bes­ter Freund Jason es sich am ersten Tag di­rekt auf Kaylas Bett be­quem ge­macht hat. Attrak­tiv, große Klappe und be­liebt. Für Kayla steht fest, dass sie mit einem sol­chen Kerl nichts zu tun haben möchte. Doch durch ihre Freund­schaft zu Rachel kann sie Jason schlecht aus dem Weg ge­hen und mit der Zeit merkt sie, dass viele ihrer Vor­ur­tei­le Jason ge­gen­über über­haupt nicht stimmen …

Darauf hatte ich keine Antwort. Mein Verstand sagte mir, dass er recht hatte, natürlich hatte er recht, aber ich war entwaffnet von seiner Ehrlichkeit, seiner Einstellung, von etwas, das ich Jason nicht zugetraut hätte. Es war gemein, das wusste ich, aber ich hatte ihm keine so hohen moralischen Werte zugetraut.

— S. 166

Meinung

Wie in der Ein­lei­tung erzählt, habe ich das Buch in nicht einmal vier­und­zwan­zig Stunden durch­ge­such­tet. Keine Fra­ge also: Campus Love ist mein Lese­high­light im Ok­to­ber. Ich würde die Ge­schich­te am liebsten di­rekt noch­mal be­ginnen. Kurz nach dem Be­enden der Lek­tü­re habe ich der Auto­rin sogar noch ge­schrie­ben, wie gut mir das Buch ge­fallen hat. Eigent­lich sollte man das viel öfter machen, um den Au­to­ren eine Freu­de zu be­rei­ten. Bei mir ist das wirk­lich eine sel­te­ne Aus­nah­me und be­tont noch ein­mal, wie gut ich die Ge­schich­te fand.

Was mich daher umso mehr überrasch­te, war, dass sich viele von euch gewundert haben, dass mir die Ge­schich­te so gut ge­fällt. Viele haben ge­hört, sie sei nicht gut: Campus Love sei lang­wei­lig, Campus Love habe eine un­sym­pa­thi­sche Pro­ta­gonis­tin. Und liebe Leute, das ist ab­so­lut nicht der Fall. Ich kann ver­ste­hen, woher manche die­se Ge­dan­ken haben, aber lasst mich er­zäh­len, wieso Campus Love alles ande­re als lang­wei­lig und auch Kay­la eine wun­der­volle Haupt­fi­gur ist. Und über­haupt, wieso ihr alle schnell zu der nächsten Buch­hand­lung rennen soll­tet, um euch Campus Love zu kaufen.

kayla jason mittmann campus

Figuren

Wieso viele Kayla un­sym­pa­thisch fin­den, könnte an ihrem Schub­la­den­den­ken lie­gen. Mir war Kayla auch nicht immer voll­kommen sym­pa­thisch, aber Katha­ri­na Mitt­mann gibt Kayla den Hin­ter­grund, um ihre doch recht ge­wöhnungs­be­dürf­ti­ge Art zu Den­ken zu er­klä­ren. Be­geg­net Kayla einer ande­ren Per­son, wird diese Per­son einem Sche­ma be­ziehungs­wei­se einer Men­schen­gruppe zu­ge­ordnet. Sie glaubt, dass sie alles über einen ande­ren Men­schen weiß, ohne groß mit ihm ge­re­det zu haben oder zu wissen, was er alles er­lebt hat. Auch ich fand diese Ei­gen­schaft nervig, aber wisst ihr, was der Clue des Gan­zen ist? Cha­rak­ter­ent­wick­lung, Leute.

Es gibt eine Cha­rak­ter­ent­wick­lung, und nicht jede Figur muss von Be­ginn an per­fekt sein. Die Kayla, die wir zu Be­ginn des Ro­mans treffen, ist nicht mehr die, mit der wir die letz­ten Seiten des Ro­mans verbringen. Zwar hat sie immer noch einige Ecken und Kan­ten, aber die hat ja jeder von uns. Außer­dem finde ich nicht, dass man einen Cha­rak­ter auf eine ein­zige Ei­gen­schaft he­runter­brechen und ihn nur an­hand dieser de­finie­ren kann. Das wäre dann näm­lich ge­nau so ein ober­fläch­li­ches Den­ken wie Kayla es zu Be­ginn tut. Außer­dem machen Kayla noch viele ande­re Dinge aus, die sie für mich zu einem ab­wechslungs­rei­chen und äußerst unter­halt­sa­men Cha­rak­ter machen.

campus love katharina mittmann

Es gibt zwei Figuren, die ich je­doch noch lieber mochte als Kay­la. Kommen wir zu der offen­sicht­li­chen: Jason. Der Mo­ment, in dem der Leser Jason zum ersten Mal be­geg­net, ist ein bisschen klischee­be­las­tet. Attrak­ti­ver Kerl lümmelt auf frem­den Bett und haut einen fre­chen Spruch nach dem nächsten raus. Dabei bleibt er je­doch stets res­pekt­voll und so­bald er merkt, dass Kayla mit seinem Ver­hal­ten nicht ein­ver­stan­den ist, hört er auf und akzep­tiert diese Gren­ze. Das fand ich toll. Nicht nur in Be­zug auf die erste Szene, son­dern auf den ge­sam­ten Roman verteilt.

Jason ist kein typischer NA-Bad-Boy, son­dern ein ordent­li­cher Kerl, der das Herz am rech­ten Fleck hat. Und wisst ihr was? Auch mit so einem Typen kann New Adult unter­halt­sam und auf­re­gend sein. Sogar sehr. Dazu sage ich aber gleich noch etwas mehr. Müsste ich Jasons Cha­rak­ter be­schrei­ben, so würde ich ihn ehr­lich, hilfs­be­reit und loyal nennen. Jason ist ein­fach eine rich­tig coole Socke.

Es war leicht, dem anderen die Schuld zuzuschieben, meistens tat ich das auch. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst war … dann hatte ich es mit mir machen lassen. Niemand war schuld daran, niemand außer mir.

— S. 119

Mein liebster Cha­rak­ter aus Campus Love ist je­doch eine Neben­figur. Und zwar ein gu­ter Freund und der Mit­be­woh­ner von Jason: Cole. In die­sem Roman ler­nen wir Cole nur am Rande kennen, doch das, was wir von ihm mit­be­kommen, ist ein­fach nur köst­lich. Er ist hu­mor­voll, pfiffig und wort­ge­witzt und ich glaube, dazu ist er auch deut­lich tief­grün­di­ger, als er vielleicht zu sein ver­sucht. Ganz nach dem Motto Harte Schale, weicher Kern hoffe ich, dass wir bald noch mehr über Cole er­fahren.

Jedes Mal, wenn er auf­tauchte, wusste ich, ich würde lachen. Ganz be­sonders in Kom­bi­na­tion mit Jason und Nate – dem dritten Be­woh­ner der Männer-WG. Diese drei zu­sammen haben eine ganz be­sonde­re Dy­na­mik, die ich un­glaub­lich genoss. Ich brauche gar kei­ne Lie­bes­ge­schich­te, ich brauche ein­fach nur eine Ge­schich­te über das lustige Leben der drei Ker­le in ihrer WG.

campus love katharina mittmann

Schreibstil

Den Schreib- und Erzähl­stil von Katha­ri­na Mitt­mann finde ich erst­klassig. Es gibt zwar ein paar Floskeln, die ich ir­gend­wann nicht mehr le­sen konnte (»… schrumpfte auf die Größe einer Erbse / einer Wal­nuss«), aber alles in allem ist er trotz­dem groß­ar­tig. Die Art des Er­zäh­lens ist ein­fach auf den Punkt. Einer­seits ist sie sehr lus­tig, so­dass der Leser allein vom Aus­druck her köst­lich unter­hal­ten wird. Ande­rer­seits baut die Au­to­rin durch ihn ihre Ge­schich­te gut auf und ver­leiht ihr viel Tief­gang. Zum Bei­spiel durch die un­ter­schied­li­chen Er­zähl­pers­pek­tiven in Campus Love. Es dürfte nie­man­den überra­schen, wenn ich er­zäh­le, dass die Ge­schich­te aus Kaylas und aus Jasons Sicht er­zählt wird. Doch außer­ge­wöhn­lich an dem Er­zähl­stil ist – zu­mindest mei­ner Mei­nung nach –, dass sich die Fi­gu­ren nicht nur mit­einan­der be­schäf­tigen.

Ich habe bei New/Young Adult Geschichten häufig das Gefühl, dass die männliche Er­zähl­pers­pek­tive – voraus­ge­setzt die Ge­schich­te ist von einer Au­to­rin ver­fasst – häu­fig nur da­zu dient, dem Leser vor der Pro­ta­gonis­tin zu ver­mitteln, dass der Kerl tief im Her­zen echt in Ordnung ist. Dass er Ge­füh­le hat, mit den Ge­dan­ken oft bei der weib­li­chen Haupt­figur ist und sensibler als man denkt. Dementsprechend empfinde ich männliche Figuren in dem Genre häufig eher oberflächlich und mit weniger Tiefgang.

Umso überrasch­ter war ich, dass dies bei Ja­son nicht der Fall ist. Ziem­lich lange ver­schwen­det er näm­lich keine Ge­dan­ken an Kayla, sondern wid­met sich sei­nen eige­nen Proble­men, dem Pla­nen seines Pod­casts und hilft sei­nen Freun­den, wenn sie nicht wei­ter wissen. Kayla und Jason sind zwei ab­so­lut authen­ti­sche Fi­gu­ren, die ein Leben fern­ab ihrer Lie­bes­ge­schich­te füh­ren und die­ses Leben ist nicht nur eine An­samm­lung an Ober­fläch­lich­kei­ten und Dra­men. Für mich sticht Campus Love hier wirk­lich aus der Masse he­raus. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass dies vielen Lesern aber auch nicht gefällt. Dass sie sich vielleicht etwas mehr Romantik erhofft haben. Für mich war es so jedoch perfekt.

kayla jason katharina mittmann

Handlung

Und das ist eigent­lich eine gute Über­lei­tung zum nächsten The­ma. Näm­lich der Hand­lung. Diese kommt bei man­chen ja auch nicht so gut an und wird als lang­wei­lig be­zeich­net. Das ist sie je­doch nicht. Sie ist glaub­wür­dig und so nah an der Rea­li­tät, wie es eben bei einem Buch die­ses Genres mög­lich ist. Bei Kayla und Jason gibt es keine Instant Love. Sie haben zu Be­ginn kei­ner­lei Inte­resse an­einan­der. Katha­ri­na Mitt­mann gibt den bei­den ge­nü­gend Zeit, um sich kennen­zu­ler­nen, um über Schatten zu sprin­gen und sich lang­sam besser kennen­zu­ler­nen, damit sie even­tuell die Mei­nung über den ande­ren ein we­nig ändern können. Das finde ich klasse.

Und wie eben schon an­ge­rissen, gibt es kein auf­ge­zwun­ge­nes Dra­ma, um Schwung in die Hand­lung zu bringen. Campus Love setzt sich nicht aus Zicke­rei­en, Miss­ver­ständ­nissen und Ei­fer­sucht zu­sammen. Statt­dessen zeigt es den All­tag von Kayla und Jason auf un­ter­halt­same Art und Weise. Mir wuchsen die bei­den wirk­lich ans Herz und ich hatte durch den Auf­bau ihrer Cha­rak­tere, der Hand­lung und dem Schreib­stil wirk­lich das Ge­fühl, eine ab­so­lut nach­voll­zieh­bare Ge­schich­te und vor allem eine nach­voll­zieh­bare Cha­rak­ter­ent­wick­lung zu er­le­ben. Und ich denke, damit habe ich auch alles Wich­tige ge­sagt, was ich sa­gen wollte. Für mich ist die­se Ge­schich­te ein ab­solu­tes Her­zens­buch im Re­gal und es wird sicher nicht das letzte Mal ge­we­sen sein, dass ich die­ses Buch ge­le­sen habe.

Ich wünsche mir mehr Geschichten wie Campus Love: Kayla & Jason. Ich habe den Roman weggeatmet und wollte kein anderes Buch mehr anfangen. Einfach eine großartige und rundum gelungene Geschichte. Absolute Empfehlung meinerseits.

Janika Zeilenwanderer Signatur

Eckdaten: Katharina Mittmann – Campus Love: Kayla und Jason – Knaur – 2019 – 384 Seiten – 9,99 €

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Comments

  • Chrissi

    November 12, 2019 at 12:23
    Antworten

    Hallo Janika, tolle Rezension! Im kompletten Romance Bereich/ New Adult bin ich aktuell sehr vorsichtig. Es gibt ja leider auch so unendlich viel Schrott auf dem Markt. Campus Love habe ich jetzt aber mal auf meine Beobachtungsliste gesetzt. :) Liebe Grüße Chrissi

    • Janika
      to Chrissi

      November 13, 2019 at 14:30
      Antworten

      Liebe Chrissi, juchu, das freut mich. Ich kann das Buch auch wirklich empfehlen. In dem Genre sticht es absolut aus der Masse hervor. Alles Liebe. Janika

  • […] Janika von Zeilenwanderer […]

  • Yvonne

    Oktober 31, 2019 at 14:13
    Antworten

    Liebe Janika, tolle Rezension! Ich habe das Buch gestern beendet und fand es ebenfalls toll. Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen! Liebe Grüße Yvonne

    • Janika
      to Yvonne

      November 3, 2019 at 17:12
      Antworten

      Liebe Yvonne, vielen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich sehr zu hören! Das Buch ist aber auch wirklich ein Traum! Alles Liebe. Janika

  • Artmonalisa

    Oktober 30, 2019 at 18:17
    Antworten

    Liebe Janika, danke für die ausführliche Buchbesprechung 😍 Du hast mich überzeugt: ich habe das Buch gerade gekauft :) Bin sehr gespannt wie es ist! Ganz liebe Grüße, Alisa

    • Janika
      to Artmonalisa

      November 3, 2019 at 17:12
      Antworten

      Liebe Alisa, hach, das freut mich sehr, dass du sogar zum Buch gegriffen hast. Ich bin ganz gespannt auf deine Meinung, mich konnte es wirklich vollkommen überzeugen. Alles Liebe. Janika

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